Essen und Trinken

(Diesen Artikel habe ich vor einem reichlichen halben Jahr angefangen zu schreiben, deswegen sind vor allem die Rankings nicht mehr so super aktuell. Mittlerweile habe ich Reis schon ein bisschen über ;))

In einem fremden Land zu leben bedeutet natürlich auch andere Essgewohnheiten. Wer mich kennt, weiß, dass ich kochen liebe und mich gern gesund & lecker ernähre. Seit zwei Jahren lebe ich zudem vegetarisch und ziehe das auch hier (mit einigen Lockerungen) durch. Was mir hier so schon an interessanten Gerichten begegnet ist, wie wir im Haus kochen und was es eigentlich so jeden Tag zu Essen gibt erfahrt ihr hier 🙂

Einkaufen

Jede Woche gibt es einen Kochplan, der die Zuständigkeiten für Frühstück/ Mittagessen/ Abendessen festlegt und auch immer eine zuständige Person für den Einkauf. Tatsächlich haben wir sogar eine Liste mit Basics, die immer nachgekauft werden sollen und auch oft nicht viel weiter ergänzt werden. Zum Einkaufen geht es erst in den Supermarkt und dann auf den Obst- und Gemüsemarkt, wo wir jedes Mal viel Frisches einkaufen. Im Supermarkt sind die Preise sehr verschieden – Basics wie Toast oder Milch vergleichsweise sehr billig, aber verarbeitete oder importierte Lebensmittel werden sehr schnell sehr teuer (5 USD für ein mini Glas Nutella z.B.). Auf dem Markt ist es am Einfachsten zu sagen, ich möchte 1 USD von dies und jenem und die Marktfrauen schätzen dass dann irgendwie mit ihren Augen ab. Für einen Dollar bekommt man hier jeweils 4-5 (große!) Maracuyas, eine Tüte Kartoffeln, 6-10 Fleischtomaten, eine Tüte Erdbeeren (allerdings nicht ganz so voll) oder 7-12 Zwiebeln. Große Sachen wie Ananas oder Broccoli werden dann nach Stück verkauft. Zu den Aufgaben der*des Verantwortlichen gehört es leider auch, das Hähnchen, dass man gekauft hat, danach zu zerlegen und einzufrieren. Langsam gewöhne ich mich daran, ich muss es ja zum Glück nicht essen…

Alltagsessen

Aus den gekauften Lebensmitteln wird dann jedes Mal improvisiert. Oft gibt es Reis mit Fleisch, Bohnen/ Linsen, Gemüse oder Salat. Ein Ei (Spiegelei, Rührei, gekocht…) kommt auch oft dazu, vor allem, wenn einer der beiden vegetarischen Tage ist. Ansonsten gibt es oft Nudeln mit irgendeiner improvisierten Sauce (Tomatensauce ist manchmal herausfordernd, weil wir kein Tomatenmark haben), manchmal Kartoffeln (gekocht, frittiert, zerstampft) oder irgendwas mit Thunfisch. Früh gibt es meistens Ei, dazu Toast oder Kochbananen und oft Obstsalat mit ab und zu Pancakes. Insgesamt ist es schon echt lecker hier und man lernt, mit den vorhandenen Zutaten zu experimentieren. Während der Mahlzeiten trinken wir morgens Tee und ansonsten Saft. Wenn er frisch selber gemacht ist mag ich ihn am liebsten, ansonsten wird ein chemischer angerührt, was dann eher so eine Art Eistee ist.

Rankings

Während ich mich bei einigen Lebensmitteln schon darauf eingestellt habe, dass ich sie vermissen werde (Brot, haha, so Deutsch das auch klingt), haben mich andere auch echt überrascht. Ich wusste vor hier nicht, wie extrem gut Ananas eigentlich schmecken (dabei mochte ich sie schon davor) und auch das Standardgericht Reis mit Irgendwas und Ei wird mir erstaunlicherweise nicht über. Enttäuschend waren dafür die Mangos, die nicht wirklich krasser sind als ich sie von zuhause kenne oder die Empanadas, die oft einfach nur heiße Luft, Fett und ein mini bisschen Käse sind statt wirklich gut gefüllt zu sein. Hier einmal ein kleines persönliches Ranking, wie ich erwartet hätte, dass dieses Lebensmittel hier schmeckt versus wie ich es wirklich finde 😉

Lebensmittel vorher erwartet (1-10)so schmeckt es (1-10)
Ananas710
Mango107
Käse62
Brot33
Joghurt 46
Empanadas 105
Reis (jeden Tag…)47
Eier (jeden Tag)57
Kartoffel85
Maracuya810
Essen hier insgesamt 68

Lieblingsessen im Haus

  1. Mattis Pancakes mit Obstsalat und Maras Schokosauce
  2. der Nudelauflauf vom Chef
  3. Tacos
  4. Reis mit dieser einen leckeren Sauce und Salat (der Avocado enthält :))

Lieblingsessen in Tena

  1. Frozen Yoghurt (mit viel Obst :))
  2. vegetarisches „Sandwich“ (fast schon Burger) bei dem einen Pommesladen – erst einmal gegessen, mega lecker, aber leider haben sie fast nie die Zutaten dafür da (ich frage sehr oft…)
  3. Pan de chocolate (Schokobrot) bei der einen speziellen Bäckerei (Espigal)
  4. Pfirsichsaft. Egal wo, ich kaufe immer Pfirsichsaft
  5. frischer Smoothie/ Milchshake

Lieblingsobst

  1. Die immer perfekt reife Ananas
  2. Fruchtfleisch der Kakaobohnen lutschen
  3. Maracuya
  4. Guaba
  5. Mora

vegetarisch Leben

Ich habe im Alltag kein Problem damit vegetarisch zu leben, wenngleich ich in Ecuador auch lockerer lebe. Z.B. esse ich Saucen/ Linsen/ Suppen usw., die mit Fleisch gekocht wurden und aus denen das Fleisch nur rausgefischt wurde. Und ich kann auch nicht ausschließen, schon einmal Gelatine gegessen zu haben. In den typischen Restaurants gibt es meistens keine vegetarischen Gerichte auf der Liste, aber es war noch nie ein Problem, dass bei meinem Teller das Fleisch einfach weggelassen und dafür mehr Salat oder noch ein Ei dazu gelegt wurde.

Typische Gerichte

Ecuador hat „vier Welten“ (die Küste, die Anden, den Regenwald und die Galapagos Inseln) und je nach Region variieren die typischen Speisen und Getränke sehr stark.

Hier im Regenwald (El Oriente) gibt es viel Reis mit Hühnchen, frisches Obst, Guayusa (ein koffeinhaltiger Tee) und Maituk. ist eine Art vor allem Fische, aber auch Fleisch, Gemüse oder Käse zu grillen: Dazu werden die Zutaten in eine bestimmte Art Blätter gewickelt, oben zugebunden und dann geröstet. Streetfood, was man hier (aber glaub ich auch in anderen Regionen) oft findet sind Choclo con queso (gegrillte Maiskolben in Mayo und Käse gewälzt), Grillspieße (mit Fleisch), Chiffles (Kochbanenchips), frischer Kokossaft, mit Käse gefüllte Tortillas und huevos chilenos (wörtlich: Chilenische Eier; ist ein frittiertes Gebäck was mich sehr stark an Quarkbällchen erinnert). Was mir sonst noch begegnet ist (auch wenn ich den Namen leider nicht kenne): in Blättern gekochte Maismasse, große Würmer die frittiert werden und rot eingefärbte & in Zucker gewälzte Gebäckkringel…

Aus der Andenregion (La Sierra) kenne ich noch Canelasse (ein Heißgetränk (wahlweise mit oder ohne Alkohol), das an Apfelpunsch erinnert, auch wenn es mit Narajilla oder Maracuya gemacht wird), Locro de Papa (eine wirklich leckere Kartoffel Suppe) und etwas, dessen Name mir entfallen ist, aber eine Art Mischung aus Kochbanenstückchen, Eiern und strengem Käse ist.

An der Küste & auf Galapagos war ich nie, aber so weit ich weiß gibt es dort noch mal deutlich mehr Fisch und Meerestiere (auch in Suppen). Eine typische Fisch-Suppe von der Küste (die aber im ganzen Land gegessen und geliebt wird) ist Encebollado.

Generell gibt es in Ecuador zudem Bolones (eine Art geformter Ball aus Kochbananen mit Käse oder Fleisch drin) und das Standartgericht ist immer Reis + Linsen + Salat + Fleisch (+ evtl. Noch ein bisschen Kochbanane)… Typisch ist auch Eis mit Käse und manchmal kann man gesalzenes Popcorn als Crotons in Suppen tun. Was übrigens immer auf Tischen steht ist eine selbstgemachte Chillisauce: Das Essen ist an sich nie scharf, aber wer mag, kann drauf kippen 🙂

fazit

Am meisten genieße ich hier das frische und leckere Obst – und die vielen Avocados. Mit frischem Gemüse kann man hier billig sehr lecker kochen – bei verarbeiteten Lebensmitteln, speziellen Gewürzen etc. hört es dann leider schnell auf. Aber das hält man ein Jahr lang aus. Ansonsten ist mein Eier-Konsum hier massiv hoch (2-5 Eier pro Tag…) und ich freue mich ganz klischeehaft auf Sauerteigbrot. Insgesamt ist das Essen hier gut und manche der typischen Gerichte mag ich total. Auch als Vegetarierin kommt man ganz gut durch, auch wenn die Abwechslung nicht so groß ist.