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Essen und Trinken

(Diesen Artikel habe ich vor einem reichlichen halben Jahr angefangen zu schreiben, deswegen sind vor allem die Rankings nicht mehr so super aktuell. Mittlerweile habe ich Reis schon ein bisschen über ;))

In einem fremden Land zu leben bedeutet natürlich auch andere Essgewohnheiten. Wer mich kennt, weiß, dass ich kochen liebe und mich gern gesund & lecker ernähre. Seit zwei Jahren lebe ich zudem vegetarisch und ziehe das auch hier (mit einigen Lockerungen) durch. Was mir hier so schon an interessanten Gerichten begegnet ist, wie wir im Haus kochen und was es eigentlich so jeden Tag zu Essen gibt erfahrt ihr hier 🙂

Einkaufen

Jede Woche gibt es einen Kochplan, der die Zuständigkeiten für Frühstück/ Mittagessen/ Abendessen festlegt und auch immer eine zuständige Person für den Einkauf. Tatsächlich haben wir sogar eine Liste mit Basics, die immer nachgekauft werden sollen und auch oft nicht viel weiter ergänzt werden. Zum Einkaufen geht es erst in den Supermarkt und dann auf den Obst- und Gemüsemarkt, wo wir jedes Mal viel Frisches einkaufen. Im Supermarkt sind die Preise sehr verschieden – Basics wie Toast oder Milch vergleichsweise sehr billig, aber verarbeitete oder importierte Lebensmittel werden sehr schnell sehr teuer (5 USD für ein mini Glas Nutella z.B.). Auf dem Markt ist es am Einfachsten zu sagen, ich möchte 1 USD von dies und jenem und die Marktfrauen schätzen dass dann irgendwie mit ihren Augen ab. Für einen Dollar bekommt man hier jeweils 4-5 (große!) Maracuyas, eine Tüte Kartoffeln, 6-10 Fleischtomaten, eine Tüte Erdbeeren (allerdings nicht ganz so voll) oder 7-12 Zwiebeln. Große Sachen wie Ananas oder Broccoli werden dann nach Stück verkauft. Zu den Aufgaben der*des Verantwortlichen gehört es leider auch, das Hähnchen, dass man gekauft hat, danach zu zerlegen und einzufrieren. Langsam gewöhne ich mich daran, ich muss es ja zum Glück nicht essen…

Alltagsessen

Aus den gekauften Lebensmitteln wird dann jedes Mal improvisiert. Oft gibt es Reis mit Fleisch, Bohnen/ Linsen, Gemüse oder Salat. Ein Ei (Spiegelei, Rührei, gekocht…) kommt auch oft dazu, vor allem, wenn einer der beiden vegetarischen Tage ist. Ansonsten gibt es oft Nudeln mit irgendeiner improvisierten Sauce (Tomatensauce ist manchmal herausfordernd, weil wir kein Tomatenmark haben), manchmal Kartoffeln (gekocht, frittiert, zerstampft) oder irgendwas mit Thunfisch. Früh gibt es meistens Ei, dazu Toast oder Kochbananen und oft Obstsalat mit ab und zu Pancakes. Insgesamt ist es schon echt lecker hier und man lernt, mit den vorhandenen Zutaten zu experimentieren. Während der Mahlzeiten trinken wir morgens Tee und ansonsten Saft. Wenn er frisch selber gemacht ist mag ich ihn am liebsten, ansonsten wird ein chemischer angerührt, was dann eher so eine Art Eistee ist.

Rankings

Während ich mich bei einigen Lebensmitteln schon darauf eingestellt habe, dass ich sie vermissen werde (Brot, haha, so Deutsch das auch klingt), haben mich andere auch echt überrascht. Ich wusste vor hier nicht, wie extrem gut Ananas eigentlich schmecken (dabei mochte ich sie schon davor) und auch das Standardgericht Reis mit Irgendwas und Ei wird mir erstaunlicherweise nicht über. Enttäuschend waren dafür die Mangos, die nicht wirklich krasser sind als ich sie von zuhause kenne oder die Empanadas, die oft einfach nur heiße Luft, Fett und ein mini bisschen Käse sind statt wirklich gut gefüllt zu sein. Hier einmal ein kleines persönliches Ranking, wie ich erwartet hätte, dass dieses Lebensmittel hier schmeckt versus wie ich es wirklich finde 😉

Lebensmittel vorher erwartet (1-10)so schmeckt es (1-10)
Ananas710
Mango107
Käse62
Brot33
Joghurt 46
Empanadas 105
Reis (jeden Tag…)47
Eier (jeden Tag)57
Kartoffel85
Maracuya810
Essen hier insgesamt 68

Lieblingsessen im Haus

  1. Mattis Pancakes mit Obstsalat und Maras Schokosauce
  2. der Nudelauflauf vom Chef
  3. Tacos
  4. Reis mit dieser einen leckeren Sauce und Salat (der Avocado enthält :))

Lieblingsessen in Tena

  1. Frozen Yoghurt (mit viel Obst :))
  2. vegetarisches „Sandwich“ (fast schon Burger) bei dem einen Pommesladen – erst einmal gegessen, mega lecker, aber leider haben sie fast nie die Zutaten dafür da (ich frage sehr oft…)
  3. Pan de chocolate (Schokobrot) bei der einen speziellen Bäckerei (Espigal)
  4. Pfirsichsaft. Egal wo, ich kaufe immer Pfirsichsaft
  5. frischer Smoothie/ Milchshake

Lieblingsobst

  1. Die immer perfekt reife Ananas
  2. Fruchtfleisch der Kakaobohnen lutschen
  3. Maracuya
  4. Guaba
  5. Mora

vegetarisch Leben

Ich habe im Alltag kein Problem damit vegetarisch zu leben, wenngleich ich in Ecuador auch lockerer lebe. Z.B. esse ich Saucen/ Linsen/ Suppen usw., die mit Fleisch gekocht wurden und aus denen das Fleisch nur rausgefischt wurde. Und ich kann auch nicht ausschließen, schon einmal Gelatine gegessen zu haben. In den typischen Restaurants gibt es meistens keine vegetarischen Gerichte auf der Liste, aber es war noch nie ein Problem, dass bei meinem Teller das Fleisch einfach weggelassen und dafür mehr Salat oder noch ein Ei dazu gelegt wurde.

Typische Gerichte

Ecuador hat „vier Welten“ (die Küste, die Anden, den Regenwald und die Galapagos Inseln) und je nach Region variieren die typischen Speisen und Getränke sehr stark.

Hier im Regenwald (El Oriente) gibt es viel Reis mit Hühnchen, frisches Obst, Guayusa (ein koffeinhaltiger Tee) und Maituk. ist eine Art vor allem Fische, aber auch Fleisch, Gemüse oder Käse zu grillen: Dazu werden die Zutaten in eine bestimmte Art Blätter gewickelt, oben zugebunden und dann geröstet. Streetfood, was man hier (aber glaub ich auch in anderen Regionen) oft findet sind Choclo con queso (gegrillte Maiskolben in Mayo und Käse gewälzt), Grillspieße (mit Fleisch), Chiffles (Kochbanenchips), frischer Kokossaft, mit Käse gefüllte Tortillas und huevos chilenos (wörtlich: Chilenische Eier; ist ein frittiertes Gebäck was mich sehr stark an Quarkbällchen erinnert). Was mir sonst noch begegnet ist (auch wenn ich den Namen leider nicht kenne): in Blättern gekochte Maismasse, große Würmer die frittiert werden und rot eingefärbte & in Zucker gewälzte Gebäckkringel…

Aus der Andenregion (La Sierra) kenne ich noch Canelasse (ein Heißgetränk (wahlweise mit oder ohne Alkohol), das an Apfelpunsch erinnert, auch wenn es mit Narajilla oder Maracuya gemacht wird), Locro de Papa (eine wirklich leckere Kartoffel Suppe) und etwas, dessen Name mir entfallen ist, aber eine Art Mischung aus Kochbanenstückchen, Eiern und strengem Käse ist.

An der Küste & auf Galapagos war ich nie, aber so weit ich weiß gibt es dort noch mal deutlich mehr Fisch und Meerestiere (auch in Suppen). Eine typische Fisch-Suppe von der Küste (die aber im ganzen Land gegessen und geliebt wird) ist Encebollado.

Generell gibt es in Ecuador zudem Bolones (eine Art geformter Ball aus Kochbananen mit Käse oder Fleisch drin) und das Standartgericht ist immer Reis + Linsen + Salat + Fleisch (+ evtl. Noch ein bisschen Kochbanane)… Typisch ist auch Eis mit Käse und manchmal kann man gesalzenes Popcorn als Crotons in Suppen tun. Was übrigens immer auf Tischen steht ist eine selbstgemachte Chillisauce: Das Essen ist an sich nie scharf, aber wer mag, kann drauf kippen 🙂

fazit

Am meisten genieße ich hier das frische und leckere Obst – und die vielen Avocados. Mit frischem Gemüse kann man hier billig sehr lecker kochen – bei verarbeiteten Lebensmitteln, speziellen Gewürzen etc. hört es dann leider schnell auf. Aber das hält man ein Jahr lang aus. Ansonsten ist mein Eier-Konsum hier massiv hoch (2-5 Eier pro Tag…) und ich freue mich ganz klischeehaft auf Sauerteigbrot. Insgesamt ist das Essen hier gut und manche der typischen Gerichte mag ich total. Auch als Vegetarierin kommt man ganz gut durch, auch wenn die Abwechslung nicht so groß ist.

Letzte Tage in Puka Urku

(Diesen Artikel habe ich schon vor Wochen angefangen und aus Unzufriedenheit nie veröffentlicht. Der Abschied von den Kindern hat mich so emotional gemacht, dass ich nichts besseres als stumpfe Beschreibungen der letzten gemeinsamen Tage heruntergebracht habe. Aber immerhin sind ein paar Fotos dabei. Da ich nicht mehr die Zeit haben werde den Beitrag zu verbessern findet ihr hier die Rohversion…)

Auch wenn ich erst am 20.8. zurück fliege, geht das Schuljahr jetzt schon vorbei und der Abschied kommt. Ich kann nicht fassen, wie sehr ich die Kinder in mein Herz geschlossen habe. Auch wenn sie manchmal extrem anstrengend sind werde ich sie vermissen. In den letzten Tagen haben wir noch ein paar Sachen erlebt und uns verabschiedet.

Kindertag und letzten zwei Schulwochen

Am Kindertag habe ich eine Torte mitgebracht und wir haben in der Schule gekocht. Das war echt schön. Ansonsten waren die letzten zwei Wochen recht entspannt – wir haben viel gespielt und wenig Unterricht gemacht.

Besuch der Familie meiner MIT-FREIWILLIGEN

Am Montag meiner letzten Schulwoche kamen die Eltern und Schwester meiner Mit-Freiwilligen Mara zu Besuch 🙂 Kurz vorher haben wir mit den Kindern noch einen traditionellen Kichwa Tanz geübt und deren Eltern kamen auch vorbei. Letztendlich wurde es fast eine kleine Feier – wir haben getanzt, gegessen, es gab kleine Geschenke und konnten den Besucher*innen die Schule zeigen.

Ausflug

Am 18.6 war unser lang ersehnter Schulausflug. Wir sind mit den Kindern und ihren Eltern in ein Freibad nach Tena gegangen. Danach gab es noch etwas zu essen in einem Restaurant und wir haben uns alle in einen mini-Bus reingequetscht, um nach Misahualli zu fahren. Dort haben wir noch am Flussstrand entspannt bevor es mit den Kanus nach Puka Urku zurück ging.

Abschiedsfeier

Highlight der letzten Tage war die große Abschiedsfeier. Vormittags gab es ein Programm mit den Kindern anlässlich des Schuljahresendes sowie Vater-/Muttertags und danach wurde gegessen. Nachmittags bis in den Abend rein wurde viel getanzt, gequatscht und getrunken. Ich hatte Kuchen mitgebracht, der gut wegging und wir haben den Kindern selbstgemachte Armbänder mit ihren Initialen zum Abschied geschenkt. Vor allem gegen Abend wurden einige der Eltern voll emotional und haben sich für unsere Hilfe in der Schule bedankt. Am schwersten war aber der Abschied von den Kindern – Sie sind uns so ans Herz gewachsen. Als wir langsam los mussten haben wir noch viele Fotos zur Erinnerung geschossen und irgendwie versucht unsere Schüler*innen zu trösten. Es war echt super traurig. Manche haben wir danach noch einmal gesehen, andere sind über die Ferien weg gefahren. Alles in allem war es aber ein schöner Abschied.

Armbänder verteilen 🙂
Klassenfoto (bei dem die knappe Hälfte der Kinder fehlt?)

Hier ein paar Eindrücke der Feier: 🙂

Wie mein Auslandsaufenthalt mich bereits verändert hat

Seit fast einem Jahr lebe ich jetzt schon in Ecuador, arbeite teilweise mit Kindern, lebe mit Personen, die mir früher fremd waren, spreche täglich eine Sprache, die nicht die meine ist, probiere neue Dinge aus und mehr. Veränderung kommt meistens schleichend. In den ersten Wochen hier war sie jedoch stark spürbar und ich hatte das Gefühl, als Reaktion darauf im Schnelldurchlauf eine Persönlichkeitsänderung durchzumachen, die sehr ins Extrovertierte ging. Mittlerweile hat sich das wieder eingependelt. Und trotzdem bin ich nicht mehr die gleiche Person. Während des gesamten Lebens entwickelt man sich weiter und gewinnt an Erfahrungen dazu und dennoch bin ich mir zu 100% sicher, dass diese Monate hier mich mehr geprägt haben, als sie es zuhause während z.B. eines Studiums hätten tun können. Ich habe schon immer viel nachgedacht und mich selbst reflektiert. Auch in Deutschland, würde ich behaupten, kannte ich mich selbst sehr gut. Und deshalb bemerke ich jetzt umso stärker, wie in einem fremden Umfeld neue Seiten an mir hervorkommen. Und ich bin ehrlich: Die meisten von ihnen gefallen mir…

Gelassenheit/ Ressilienz

Während meiner Zeit hier bin ich immer und immer wieder auf neue Situationen, fremde Menschen und ein „Normal“ gestoßen, was für mich aus meiner Perspektive nicht das Normal ist. Das hat einige Prozesse in mir extrem beschleunigt. Z.B. ist mein Selbstbewusstsein gestiegen. Ich kenne mich gut und ruhe in mir, deshalb kann ich sehr offen auf alles Neue zugehen und mich darauf einlassen. Generell bin ich offener in Gesprächen, sag öfter „ja“ anstatt aus der Angst aufzufallen abzulehnen. Ich gewöhne mich viel schneller an äußere Umstände – seien es (in meiner Sicht) übertriebenen Putz- und Aufräumregeln, andere Art und Weisen, mit Problemen umzugehen oder auch niedrigere Lebensstandards ohne z.B. Leitungswasser (im Extremfall). Denn es lässt sich feststellen: Irgendwie geht es immer und nur weil etwas erst unbequemer oder schlicht weg anders als gewohnt ist, ist es nicht unbedingt schlechter. Wenn es sein muss, kann ich auch drei Mal die Woche putzen oder bei Besuchen von Freund*innen mit einem Eimer Regenwasser die Spülung bedienen. It‘s not that big. Ich würde schon sagen, dass ich dadurch gelassener bin. Irgendwie laufen die Dinge schon und ich mache mir weniger einen Kopf wegen kleiner Sachen, aber auch ggü. großen wie z.B. Zukunftsängsten. Auf der anderen Seite nehmen mich auch wirkliche Probleme und Krisen weniger stark mit – ich bin resilienter geworden.

PRIVILEGIEN/ Politisierung

Mein Leben hier hat mir die Privilegien, die ich genieße, noch einmal viel eindrücklicher vor Augen geführt. Nur weil ich das Glück hatte in Deutschland geboren zu sein stehen mir so viele Türen offen. Ich habe Eltern, die mir sehr gute Bildung finanzieren können, ich habe schon viele Länder mit nur 19 Jahren sehen dürfen, ich war in einem Schulsystem, das zwar nicht perfekt ist, mir aber Grundwissen und kritisches Denken beigebracht hat, ich habe endlose Möglichkeiten, was meine Zukunft angeht, eine Staatsbürgerschaft, die mir garantiert Sozialleistungen beanspruchen zu können, Krankenversicherung, einen recht hohen Mindestlohn im eigenen Land etc. etc.

Wir nehmen zu viel als selbstverständlich und hinterfragen nicht, warum wir eigentlich davon ausgehen, dass es uns zusteht. Was unterscheidet uns von denen, die dieses Glück nicht teilen?

Während ich Ecuador für eine Zeitspanne von bis zu 3 Monaten jederzeit wieder besuchen könnte, ohne auch nur ein Visa beantragen zu müssen, muss ich meinen Freund*innen erklären, was sie alles für ein Touristenvisa bräuchten (Einladungsschreiben, Vermögensnachweis, bereits reservierte Flugtickets etc. etc), um mich in Europa besuchen zu können.

Während ich als weiße Person in den Medien ständig repräsentiert werde und hier in Ecuador als „gringa“ zwar auffalle und anders behandelt werde, würde sich (vor allem bei dem derzeitigem Rechtsruck) bei meinen Freund*innen in Deutschland die Andersartigkeit schnell mit Feindseligkeit/ Skepsis paaren. Ich hingegen werde nie Rassismus erfahren.

Ich kann in dieses Land hier einreisen für einen Freiwilligendienst, den zum Großteil mein Staat übernimmt und muss noch nicht einmal eine der ursprünglichen Sprachen der Region wie Kichwa lernen, da ja eh alle das mit dem Deutschen verwandten und für mich einfach zu lernende Spanisch sprechen. Wie praktisch. Also für mich. Aber dahinter steht natürlich die grausame Geschichte von Kolonialisierung, Unterwerfung und Ausbeutung. Ausbeutung, die bis heute anhält – z.B. durch Großkonzerne, die den Geldmangel von Regierungen ausnutzen, um viel zu billig Grundstücke, Bohrrechte etc. zu kaufen und die die Heimat und Lebensgrundlage von Menschen zerstören, die diesem Deal nie zugestimmt haben.

Neben Rassismus und Kolonialismus habe ich mich aber auch durch Lektüre und (zugegebenermaßen) Social Media noch mehr mit Feminismus, Queerness und generell Machtstrukturen/ Diskriminierungsformen beschäftigt. Man könnte sagen: ich habe mich weiter politisiert. Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten fallen mir viel deutlicher auf, ich verfolge das politische Geschehen in Deutschland weiterhin und hinterfrage meine eigene Sozialisierung. Ich baue eigene, unbewusste Vorurteile ab und schaue mir verschiedenste Perspektiven an. Ich bilde mich weiter. Und das bereichert mich sehr.

Eigenständigkeit

Das erste Mal befinde ich mich nach Schule dauerhaft in einer Art Arbeitsumfeld. Auch das hat mich viel gelehrt: Ich spreche Probleme jetzt eher an, suche mir Hilfe, wenn ich sie brauche und habe mehr Eigeninitiative. Ich verwalte mein Geld und meine Ausgaben komplett selber, werde von Fremden mittlerweile immer als Erwachsene gelesen (und schon ein paar Mal gefragt, ob ich die Mutter meiner Mit-Freiwilligen bin?!) und genieße meine Freiheit sehr. Da meine Einsatzstelle gleichzeitig mein Wohnort ist, gibt es doch ein paar Regeln und Aufgaben, die mich manchmal einschränken, aber so generell kann ich in meiner Freizeit tun und lassen was ich will. Eher eigenständig und verantwortungsvoll war ich schon immer, aber endlich habe ich auch wirklich den Spielraum/ die Macht über mein Leben und kann dies auch ausleben. Ich liebe es.

Der Innere Kern

Im Ausland zu leben ist wie eine Probe: Welche Charaktereigenschaften, welche Gewohnheiten, welche Beziehungen usw. bleiben auch bei komplett verändertem Umfeld bestehen? Was ist mein Kern? Was ist mir wichtig? Welche Menschen bleiben mir auch in der Ferne nahe, bei welchen will ich wieder mehr Kontakt suchen, wenn ich zurück komme und bei welchen tut mir der Abstand gut?

Während des letzten Jahres habe ich sehr viel mehr über meine Bedürfnisse, Grenzen und Macken gelernt. Das hat mir auch extrem bei meiner Zukunftsplanung geholfen: Vieles ist mir immer noch unklar, aber ich weiß, welche Seiten an mir selbst mich in allen Lebenslagen begleiten werden und welche Menschen ich dabei gern an meiner Seite behalten will. Ich habe meine Resilienz in wirklich schweren Phasen bestärkt bekommen, ich merke, wie manche Leidenschaften nicht abklingen, auch wenn ich ihnen teilweise sehr lange nicht nachgegangen bin und ich weiß, bei wem ich zu jeder Uhrzeit anrufen kann, aber auch mit wem ich vielleicht keinen ständigen Austausch brauche, um mich auf die Person verlassen zu können.

Es ist irgendwie Paradox: Obwohl ich mich immer wieder selbst überrasche und Neues an mir entdecke, kenne ich mich immer besser. Und ich mag den Großteil an mir, den Rest kann ich akzeptieren.

im hier & Jetzt, Neues Probieren

Hier in Ecuador lasse ich mich viel mehr treiben, lebe mehr im Tag und spontaner. Das hat einerseits mit der Kultur zu tun, die mich hier umgibt, andererseits aber auch mit dem Fakt, das ich sehr weit weg von Zuhause, also meinen alten Gewohnheiten und Verpflichtungen bin. Bis auf meine Arbeit war ich hier bei meiner Ankunft so wunderbar frei – und das in vielen Sinnen. Einerseits hatte ich die Zeit, Neues zu versuchen, andererseits kannte mich hier vorher auch niemand, das heißt ich konnte ganz andere Versionen von mir selbst ausprobieren. Wer sagt denn überhaupt, dass ich zurückhaltend bin? Vielleicht ist das nur ein Muster, was ich über die Jahre in meinem alten Umfeld nicht gut ablegen konnte. Vielleicht mag ich Partys ja doch? Und wenn nicht, auch nicht schlimm. Auf einmal habe ich ganz andere Dinge ausprobiert, viel spontan mit Fremden unternommen und mehr und mehr Seiten an mir selbst entdeckt. Da niemand eine veraltete Version von mir kannte konnte ich einfach die Version leben, die sich genau jetzt nach mir anfühlt. Und das war sehr befreiend und spannend.

Körpergefühl

Eine weitere Veränderung: Ich fühle mich absolut wohl in meinem Körper. Ich glaube das hat viele Gründe…

1. bin ich in Ecuador genau in der Durchschnittsgröße und kann zum ersten Mal in meinem Leben fast allen Menschen entspannt in die Augen sehen ohne ständig nach oben gucken zu müssen.

2. Arbeite ich teilweise doch recht körperlich, köpfe Pflanzen und kleine Bäumchen mit Machete, schleppe Erde, wander die ganzen Hügel hier rauf und runter etc. etc. Die Arbeit an der frischen Luft tut mir gut, ich bin stärker geworden, habe fast nie mehr Rückenschmerzen und fühle mich gesund. Und ich schlafe genug, auch das tut mir so gut.

3. Ich glaube ich hatte es schon einmal in einem Artikel erwähnt, aber das Schönheitsideal liegt in Ecuador mehr bei Kurven und weniger bei schlank. Demzufolge tragen viele Frauen mit den unterschiedlichsten Körpern öfter enge und figurbetonte Kleidung. Immer wieder sehe ich selbstbewusste, schöne Frauen, die zu dick für das westliche Schönheitsideal sind. Es ist normal für mein Auge geworden – und auch ich fühle mich als würde ich ganz natürlich dazu passen.

4. Jetzt, wo ich noch viel mehr Seiten von mir ausleben kann, mag ich mich selbst noch mehr. Mein Äußeres, was für mich noch nie das Wichtigste war, wird damit noch unbedeutender.

5. Ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll, aber ich habe überhaupt jetzt erst ein stärkeres Körpergefühl entwickelt. Vielleicht war es durch die Krankheiten/ Parasiten oder dadurch, dass ich weniger Stress habe, aber ich habe das Gefühl, meinen Körper jetzt erst richtig wahrzunehmen und so auch viel besser zu wissen, was er gerade braucht.

Sprache

Auch meine Sprache hat sich verändert. Mittlerweile bin ich im Spanischen so sicher, dass ich mich deutlich wohler mit der Sprache fühle als mit Englisch. Mein Englisch hingegen ist richtig schlecht geworden, weil ich kaum noch jemanden höre, der gut spricht. Das ist schade, lässt sich aber in Zukunft sicherlich ändern. Spanisch so gut zu sprechen hat auf jeden Fall meinem Selbstwertgefühl geholfen und mich motiviert in Zukunft vllt noch mehr Sprachen zu lernen. Das Einzige, was ich leider immer noch nicht kann, ist das Zungen-R. Das finde ich schon etwas beschämend, aber man versteht mich trotzdem.

Ansonsten nutze ich in meinem Alltag (wenn ich Deutsch rede) A. Viele Anglizismen/ mehr Jugendsprache als früher (weil ich Deutsch fast nur noch mit Gleichaltrigen spreche), B. Mehr Flüche (ich habe mich zu sehr daran gewöhnt, dass mein Umfeld kein Deutsch kann und sie sowieso nicht versteht… Das wird erst einmal eine Umstellung bei der Rückkehr) und C. Sehr viele Spanische Einschübe. Ein „Vamos!“ verstehen die meisten vielleicht noch, aber von Freund*innen ernte ich immer mal wieder Verwirrung, wenn ich dachte ich rede normal Deutsch mit ihnen. Manche Wörter fühlen sich für mich auf Spanisch einfach natürlicher an und/ oder sind kürzer. Dann entstehen Sätze wie „Entonces gehen wir? – Más luego…“, „Gib mal das agua“ oder die ständige Nachfrage „¿Qué?” oder „¡Mande!“, wenn ich was nicht verstanden habe…

Man könnte sagen mein Deutsch ist schlechter geworden – oder vielfältiger. Auch Sprache ist Einflüssen ausgesetzt und wandelt sich. Aber all die Änderungen haben nichts an meiner Liebe zu Worten geändert, im Gegenteil: Ich habe eine viel größere Wertschätzung gegenüber Sprachen entwickelt und mir ist noch einmal viel bewusster geworden, wie sich eine Muttersprache anfühlt, eine Sprache, in der man seine Gedanken und Gefühle nicht nur vereinfacht, sondern in all ihrer Komplexität ausdrücken kann…

Fazit

Insgesamt bin ich offener, sozialer, selbstbewusster, weiser, resilienter, noch reflektierter, verrückter, entspannter und ja – auch glücklicher als zuvor. Aber ich frage mich auch: Ist es mein Umfeld hier, was diese Seiten hervorbringt? Und wie wird sich das alles entwickeln, wenn ich wieder in Deutschland bin, in meinem alten Umfeld und mit all dem Stress eines neuen vollen Alltags? Werde ich mich wieder zurückziehen? Das werde ich wohl herausfinden müssen…

FAQ – Eure Fragen, meine Antworten

In letzter Zeit habe ich immer einmal herumgefragt, ob ihr noch Fragen zu Ecuador und meinen Freiwilligendienst hier habt… Ich habe mal gesammelt und hier sind die Antworten 🙂

Eure Fragen

Was können wir uns aus Ecuador abgucken?

Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, da sie recht subjektiv ist. Mein Eindruck von der ecuadorianischen Gesellschaft ist, dass sie tendenziell spontaner und gastfreundlicher als die deutsche ist. Ich erlebe häufiger ein Miteinander als ein Co-Existieren, wenn es z.B. um Nachbarschaften oder Großverwandtschaft geht. Dass können wir uns gerne abschauen.

Ansonsten finde ich, sollten wir auch in Deutschland einführen, dass die Busse einen überall auf der Strecke rauslassen, das öffentliche Gesundheitssystem könnte auch in Deutschland grundsätzlich kostenfrei sein (egal ob du deutsche Staatsbürgerschaft hast oder nicht) und Moto-Taxis, also Motorradfahrer*innen, die dich für ein bisschen Geld mitnehmen, sind auch sehr praktisch.

Wie hat dich dein Freiwilligendienst verändert?

Ich würde sagen ich bin offener, spontaner und selbstbewusster geworden. Ich habe ganz andere Seiten an mir kennengelernt und viel Neues ausprobiert… Zur Zeit schreibe ich auch an einem ausführlicheren Artikel über das Thema, bald kommt also die lange Antwort 🙂

Was hast du in Ecuador gelernt, was deiner Meinung nach jeder Mensch erleben oder begreifen sollte?

Ich glaube das ist vor allem Einsicht und Dankbarkeit für die eigenen Privilegien. Ich glaube, die Welt könnte eine bessere sein, wenn alle Menschen diesbezüglich mehr sensibel wären.

Welches typische Gericht ist dein Liebstes?

Einiges an ecuadorianischen Gerichten ist leider mit Fleisch oder Fisch, aber ich mag Locro de Papa sehr gerne. Das ist so eine Art Kartoffelsuppe mit Käse, die mit Avocado serviert wird…

Wie fühlst du dich als Frau beim Reisen im Land?

Auf meinen Reisen habe ich mich fast immer sicher gefühlt. Wenn man weiß, welche Regionen man besser meidet ist Ecuador sicherer als viele denken mögen. Gerade in Tena fühle ich mich auch nachts allein sicher, jedenfalls nicht unsicherer als in Deutschland. Auf meinen meisten Reisen war ich fast nie allein unterwegs, sondern entweder mit anderen Freiwilligen oder Freund*innen von hier. Deshalb hatte ich die Erfahrung allein zu reisen eher seltener.

Generell kann ich zu dem Thema sagen: Ich werde in Ecuador deutlich häufiger angequatscht, als ich es von Deutschland kenne. Als weiße Frau gelte ich als „gringa“ (eine Art lokales Wort für Ausländerin/ Weiße) und werde häufig als Touristin gelesen. In den Gesprächen, fast immer von Männern angefangen, geht es dann um die typischen Fragen: Spreche ich Spanisch? Wie lange bin ich schon in Ecuador? Was mache ich hier? Wie gefällt mir das Land? Wie alt bin ich? Usw… Oft ist es pures Interesse ohne andere Absichten, manchmal fühle ich mich dabei unwohl. Bei mir ist es nie übergriffig geworden, aber ich weiß von Freundinnen, dass sie auch schon schnell von (sehr viel älteren) Männern nach ihrem Facebook, der Handy Nummer oder einem Treffen ausgefragt wurden. Meine Gefühle zu den Gesprächen sind gemischt, manchmal will ich einfach in Ruhe gelassen werden und finde manche Männer eher belästigend, manchmal entstehen voll die netten Gespräche. Abgesehen davon kann ich sagen, dass die meisten Menschen hier aber total nett sind und einem weiterhelfen wenn man eine Auskunft braucht, ein Taxi heran winken will oder sich verlaufen hat. Wirklich unsicher oder bedroht fühle ich mich deshalb nie, maximal angenervt oder in einem unangenehmen Gespräch gefangen.

Unsicher fühle ich mich bisher nur in Quito, vor allem, weil mir immer und immer wieder von den Locals gesagt wird, dass ich da aufpassen muss. Hierbei geht es tatsächlich mehr um Diebstahl und Raub, die gleichen Warnungen bekommen auch die Männer. Bis auf einen Taschendiebstahl in der Menschenmenge ist mir aber zum Glück noch nie etwas passiert. Generell kann ich Ecuador sehr zum Reisen empfehlen 🙂

Hast du lokale Märchen/ Sagen/ Geschichten aufgeschnappt?

Ja, ab und zu. Wenngleich auch eher so kurze Geschichten. Eine ist über einen Vogel hier, der „nictibio“ heißt und nur bei Vollmond nachts ruft (heult?). Der Klang ist schon etwas gespenstig. Die Sage besagt, dass es einmal ein junges Liebespaar aus zwei verschiedenen Comunidades gab. Da ihre Verbindung geheim war, beschlossen sie durchzubrennen. Der Schamane erfuhr davon, wurde wütend und verwandelte den Mann in einen Vogel und die Frau in den Mond. Immer wenn der Mond zu sehen ist wird der Vogel traurig und ruft nach seiner Geliebten…

Hier könnt ihr hören, wie der Vogel weint: https://www.youtube.com/watch?v=c8sZUDPXuFE

Was ich auch irgendwo aufgeschnappt habe, ist eine Art Redewendung: Mir wurde gesagt, immer wenn man einen Kolibri sieht, denkt jemand an dich/ schickt dir eine Nachricht…

Was hat dir am besten und am schlechtesten gefallen?

Eins meiner Highlights ist auf jeden Fall immer wieder das Reisen und auch kleinere Ausflüge zu z.B. Wasserfällen in der Gegend. Ecuador ist einfach unfassbar schön und vielfältig, vor allem was die Natur betrifft.

An meiner Arbeit gefällt mir vor allem der Einzelunterricht mit den Studierenden im Haus, weil ich da wirklich das Gefühl habe etwas bewegen und helfen zu können. Ansonsten einfach das Anwesen Pakashka Sacha: Das Haus ist groß, modern und echt schön, außerdem haben wir direkt Regenwald um uns herum.

Die vielen leckeren Früchte gefallen mir auch jedes Mal aufs Neue 🙂

Was mir nicht so gefällt ist der teilweise sehr große Anteil an Putzen in meinem Alltag. Ansonsten ist es die Unzuverlässlichkeit: Einerseits finde ich es schön, spontan zu leben, andererseits ist es extrem nervig und manchmal enttäuschend, wenn man immer wieder Unternehmungen etc plant und dann spontan alle absagen, Dinge verändern und es doch nichts wird. Es ist eine andere Art zu leben (und zu planen), daran musste ich mich erst gewöhnen.

Was war eine tief greifende Lektion, die du in deinem Jahr in Ecuador über dich selbst gelernt hast?

Ich habe gelernt, dass ich deutlich resillienter bin, als gedacht und auch kommunikativer. Meine Introvertiertheit bleibt zwar, d.h. ich brauche viel Allein-Zeit für mich selbst, aber in der restlichen Zeit kann ich sehr extrovertiert wirken. Ich habe auch gelernt, dass ein anderes Umfeld mir sehr gut tut, vor allem das Loslösen von der Schule, einem engen Kaminkalender und Menschen, die mich zwar noch von früher kennen, mich aber nie wirklich richtig gekannt haben…

Wie sieht der übliche Alltag der Menschen in einem Indigenen Dorf aus (typische Mahlzeiten, Aufgaben, Freizeitbeschäftigungen)? Was machen die Kinder/ Teenager/ Alten?

Ich lebe zwar alle drei Wochen in der Comunidad Puka Urku, habe dort aber mein eigenes kleines Haus und nehme nicht aktiv am Dorfleben teil. Deswegen kann ich nur von dem Berichten, was ich so mitbekommen habe. Und, Spoiler: jede Familie ist unterschiedlich und auch das Leben in den Bergen wird sich noch einmal deutlich unterschieden von dem hier im Regenwald. Seht meine Antwort also eher als ein Beispiel, wie es sein kann gespiegelt an dem Leben der wenigen Menschen, die ich kennenlernen durfte 🙂

Wenn man jetzt beispielsweise nach Puka Urku (oder einer benachbarten Comunidad) fährt, geht es ziemlich lange eine holprige Landstraße mit dem Bus entlang. Am Straßenrand zieht man immer wieder Wald, Graß, Chacras und vereinzelte Häuser, meist auf Stelzen. Auch im “Dorf” selbst sieht es oft so aus: Die Häuser sind recht vereinzelt, dazwischen liegen die Chacras der Familien. Es ist eher eine lose Ansammlung von Besiedelung, nur im Kern des Dorfes stehen ein paar Häuser sehr nah. Es gibt eine sehr kleine Kirche, einen Fußballplatz, eine Fläche die für Versammlungen und Feiern genutzt wird und auch eine Überdachung hat und die Grundschule. Andere Dörfer sind vielleicht größer und bieten mehr, oft muss man für Besorgungen aber zur nächsten Stadt. Manchmal kommen auch Autos vorbei, die Lebensmittel, Gas oder anderes verkaufen. Die Straßen und Busse sind relativ neu, früher, wurde mir erzählt, waren die Dörfer nur durch den Fluss erreichbar. Aber auch jetzt noch sind große Kanus mit Motor ein wichtiges Transportmittel, um von A nach B zu kommen. Die meisten Dörfer liegen aber nicht nur am Ufer, um gut verbunden zu sein: Der Flussschlamm macht die Erde fruchtbarer.

Viele Familien leben mit mehreren Kindern und oft erweiterter Verwandtschaft zusammen. Manche Erwachsene sind fest angestellt und pendeln von der Stadt, andere suchen Gelegenheitsjobs als z.B. Bauarbeiter, andere verdienen Geld als Motor-Kanu Fahrer und fahren entweder Dorfbewohner*innen herum oder machen Touren mit Touristen den Fluss entlang. Ich habe auch schon gesehen, wie Frauen zuhause Körbe flechten oder Schmuck herstellen und den dann in der Stadt verkaufen. Vor allem junge Erwachsene zieht es zum Arbeiten und/ oder Studieren in die Städte, das heißt viele haben auch Verwandtschaft dort, die sie ab und an besuchen. Viele Familien besitzen Hühner, um die sich gekümmert werden muss und eigenes Land. Dieses muss regelmäßig bestellt werden. Chacras sind anders, als ich es von Feldern aus Deutschland kenne: In der Regel sehr viel kleiner und vor allem mit Mischkultur bepflanzt. Oft stehen Kakaobäume herum, dann wird Mais angepflanzt, Kochbananen, Yuka, manchmal Vanille oder Kaffe zwischendrin und Bohnen habe ich auch schon gesehen. Arbeiten, die anstehen: Mit Machete das Gelände von Unkraut befreien, Pflanzen und Ernten. Manchmal wird auch gefischt. Die geernteten Kakaobohnen werden ausgebreitet in der Sonne getrocknet, oft auch auf der heißen Asphaltstraße am Rand und dann in Säcken in der nächsten Stadt verkauft. Die Erzeugnisse dienen sowohl zur eigenen Ernährung, werden aber auch verkauft. Typische Mahlzeiten sind Reis mit Hähnchen/ Fisch, Suppe, gekochte oder frittierte Yuka-Wurzel und Kochbananen. Getrunken wird z.B. Tee (etwas aus Hierba Luisa, eine Art Zitronengras oder Guayusa), Limonade (aus frischen Limetten) und ganz viel Chicha, ein fermentiertes weißes Getränk aus Yuka, das super viele Nährstoffe besitzt.

Was ich an Freizeitbeschäftigungen beobachtet habe unterscheidet sich jetzt nicht so sehr von Zuhause: Fernsehen, im Fluss baden, am Handy zocken (Spiele/ Social Media), Fußball spielen, mit Familie/ Nachbar*innen/ Freund*innen quatschen…

Die Kinder und Jugendlichen sind vormittags in der Schule, nachmittags werden vor allem die Teenager sicher im Haushalt ein bisschen mithelfen müssen. Ich habe am Fluss schon oft ältere Mädchen mit ihren Müttern Wäsche waschen sehen. Großeltern leben oft in den Familien mit und bringen ihren Beitrag, ansonsten werden sie gepflegt.

Gab es einen Moment, der dich emotional besonders herausgefordert oder nachhaltig berührt hat? Warum?

Die Momente die mich am allermeisten herausgefordert und berührt haben sind mir ehrlich gesagt zu privat, um sie hier zu veröffentlichen… Aber von anderen Dingen erzähle ich gern 🙂

Besonders herausfordernd war für mich immer wieder der Umgang mit Kindern und den Hunden – weil beide süß sind, irgendwie unschuldig, und einem trotzdem absolut zu Weißglut bringen können. Was mache ich, wenn sie einfach nicht hören? Dumme Dinge machen und ich sie vor sich selbst beschützen muss? Sie scheinbar grundlos heulen? Manchmal habe ich mich überfordert oder hilflos gefühlt, dass hat sich schon eingeprägt.

Berührt haben mich vor allem die Liebe und die Geschenke der Kinder. Aber auch die Hilfsbereitschaft und Offenheit der Studierenden. Einmal als ich krank war, hat einer der Studenten extra irgendeine Pflanze aus dem Garten für mich gesucht, deren Tee das Fieber senken soll und mich zum Arzt begleitet. Das waren Momente, wo sich Pakashka wirklich wie eine zweite Familie angefühlt hat.

In welchen Momenten hast du dich besonders verbunden gefühlt mit dem Land, den Menschen oder dir selbst?

Manchmal wenn ich unterwegs bin erfasst mich ein extrem starkes Verbundenheitsgefühl. Z.B. wenn ich im Bus sitze, Spanische Liebesballaden laufen, die ich mittlerweile schon kenne und am Fenster die vertraute Landschaft vorbeizieht. Oder wenn ich abends im Park bin, alle ihren eigenen Aktivitäten nachgehen, Fußball spielen, irgendwo ein Tanzkurs mit voller Musik läuft und ich mein übliches Eis lecke. Dann bin ich regelrecht verliebt in dieses Land und mein Leben hier. Ich glaube Verbundenheit entsteht oft durch Vertrautheit, die Routinen hier: Wenn ich beim Abwasch mit den anderen quatsche, genau weiß, welcher Frischkäse im Supermarkt der leckerste ist, unsere Hunde mich schon von weitem begrüßen oder ich Bekannten in der Stadt zuwinke. Wenn mich die Marktfrau, die mich schon kennt, in ein Gespräch verwickelt oder meine Schritte in großen Busbahnhöfen fast von allein ihren Weg finden. Ich bin angekommen.

Welche Berührungspunkte mit Feminismus/ Rechte von LGBTQIA+ hattest du in Ecuador?

Eher wenige, da ich recht abgeschieden lebe. In den Großstädten findet man eher Bubbles und Veranstaltungen. Manchmal sehe ich auf Mauern Kunst, die Indigene Frauen empowern oder (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen/ häusliche Gewalt aufgreift und somit sichtbarer macht. In Tena gibt es eine Brücke, wo Überlebende ihre Handabdrücke an einer lila Wand hinterlassen haben. Daneben war eine Infografik, die über Gewalt gegen Frauen aufklärt. Allerdings wurde die vor ein paar Monaten heruntergeschlagen und seit dem nicht ersetzt.

Queere Menschen habe ich in Tena kaum gesehen oder gefunden, aber ich war bei der Pride-Parade in Quito, das war schön. Ansonsten ist es eher schwerer, die queeren Menschen in Ecuador zu finden, da viele ungeoutet sind und/ oder es an Institutionen wie queeren Vereinen fehlt, um sich zu connetcten.

Welche Werte oder Haltungen möchtest du aus deinem Freiwilligenjahr mit in deinen weiteren Lebensweg nehmen – und warum?

Ich will die Neugier und Bereitschaft Neues auszuprobieren mitnehmen und eine ordentliche Portion Gelassenheit, wenn es um die Zukunft geht. Am Ende überrascht einen das Leben immer wieder, es lohnt sich, nicht alles zu Brei zu denken und stattdessen das Jetzt zu genießen.

Was war das verrückteste Gericht, was du probiert hast?

Ich glaube die ungewöhnlichste Kombinationen waren Eis mit Käse und Suppe mit Popcorn… Schmeckt beides okay bis ganz gut. Das Popcorn ist natürlich salzig.

Was für einen Tipp würdest du deiner Nachfolger*in geben?

Packe so wenig wie möglich Gegenstände ein, die dir wichtig sind, du aber nicht regelmäßig benutzen wirst. All das (Notizbücher, Schmuck mit Lederbändern oder Holzperlen, Stoffbeutel, Badtaschen, Portemonnaies, Kartenspiele, …) wird entweder verschimmeln oder Stockflecken bekommen und dir ganz viel Stress bereiten. Wenn man hinterher ist, lässt sich der Schimmel regelmäßig wegwischen und die Sachen in der Sonne trocken, aber das macht man auf Dauer nur mit den wirklich wichtigen Sachen. Den unnötigen Rest lieber sicher in Deutschland lassen, er landet sonst früher oder später im Müll.

Ansonsten: Lass dich auf die Erfahrung ein, versuche so viel wie möglich Spanisch zu sprechen, auch wenn du es noch nicht so gut kannst und suche dir lieber mehr Freund*innenschaften vor Ort als (nur) mit anderen Freiwilligen, die auch Deutsch sprechen. So tauchst du in die Kultur tiefer ein.


Danke an alle, die mir Fragen geschickt haben! Wenn es noch Unklarheiten gibt oder euch noch was eingefallen ist, dann schreibt es gerne in die Kommentare 🙂

Bis zum nächsten Mal!

Ecuador-Quiz

Bereits vor meiner Ankunft in Ecuador fand ich das Land super spannend, da es unfassbar vielfältig ist. Ich habe bereits einiges geschrieben über meine Zeit hier geschrieben, jedoch ging es meistens eher um individuelle Erfahrungen, Reiseberichte etc. Aber was wisst ihr eigentlich über Ecuador? Probiert gerne mein kleines Quiz aus, vielleicht lernt ihr ja noch das Eine oder Andere dazu 🙂 Und schreibt mir gerne, wie viele der Antworten ihr richtig hattet (ohne zu googeln…)!

1. Welches Land grenzt nicht an Ecuador?

A. Peru

B. Chile

C. Kolumbien

Lösung

B. Chile

Bildquelle: https://tse2.mm.bing.net/th?id=OIP.qSYl0Hs83w7cb5GmIdT6RAHaHa&pid=Api

2. Ecuador ist eines der artenreichsten Länder der Welt. Wie viel Prozent der weltweiten Artenvielfalt beherbergt es in etwa?

A. 3%

B. 6%

C. 10%

Lösung

C. 10%

Das liegt vor allem an den vielfältigen Ökosystemen innerhalb des Landes – von der Küstenregion mit Pinguinen über das Andenhochland mit Alpakas und Kondoren bis hin zum Amazonasregenwald mit rosa Flussdelfinen. Ganz besonders sind außerdem die Galapagos-Inseln, die ebenfalls zu Ecuador gehören: Viele der Arten auf der Insel leben ausschließlich dort, da sie vom Rest der Welt über Jahrtausende isoliert waren. Besonders bekannt sind die riesigen Galapagos-Schildkröten…

3. Welche Aussage über Quito, die Hauptstadt Ecuadors, ist falsch?

A. Quito ist die höchste offizielle Hauptstadt der Welt.

B. Quito wurde von spanischen Kolonialist*innen auf den Ruinen einer Maya Stadt errichtet.

C. Quito und Krakau waren die ersten beiden Städte, die als UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt ernannt wurden.

Lösung

B. Quito wurde von spanischen Kolonialist*innen auf den Ruinen einer Maya Stadt errichtet.

Wer sich mit Geschichte auskennt, weiß, dass die Mayas ungefähr im Gebiet des heutigen Mexikos gelebt haben. Tatsächlich liegen unter Quito aber trotzdem Ruinen – wenngleich einer völlig anderen Zivilisation, nämlich der Inkas. Diese waren noch vor den Spanier*innen Erober*innen des Gebietes, das heute Ecuador ist.

Die anderen beiden Aussagen stimmen: Mit ca. 2.850m über dem Meeresspiegel ist Quito die höchst gelegenste Hauptstadt der Welt und wurde aufgrund seines gut erhaltenem historischen Zentrums 1978 zur UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt erklärt.

4. Welche Währung besitzt Ecuador?

A. US-Dollar

B. Sucre

C. Peso

Lösung

A. US-Dollar

Im Jahr 2000 gab das Land seine eigene Währung, den Sucre, auf und führte den US-Dollar zur Stabilisierung der Wirtschaft ein.

5. Wofür stehen die drei Hauptfarben der Ecuadorianischen Flagge (gelb, blau, rot)?

A. Gelb – das Gold des Landes, blau – die Flüsse, rot – das Blut, das im Kampf für die Unabhängigkeit vergossen wurde

B. gelb – der Reichtum Ecuadors, blau – die Schönheit der Natur/ der Himmel/ der Ozean, rot -republikanische Freiheit/ Unabhängigkeit und das Blut, das dafür vergossen wurde

C. Gelb – der Reichtum des Landes, blau – der Wasserreichtum des Landes (Flüsse, Wasserfälle, Ozean etc.), rot – Macht und Unabhängigkeit des Staates

Lösung

B. gelb – der Reichtum Ecuadors, blau – die Schönheit der Natur/ der Himmel/ der Ozean, rot -republikanische Freiheit/ Unabhängigkeit und das Blut, das dafür vergossen wurde

Bildquelle: https://tse4.mm.bing.net/th?id=OIP.FKyjybpzXEjmyJfi-zRxaQHaEK&pid=Api

6. Warum bekam Ecuador 2008 international viel Aufmerksamkeit?

A. Eine Drogenbande stürmte die nationalen Nachrichten während eines live-Streams und nahm das ganze Fernsehteam vor laufender Kamera als Geisel.

B. Wissenschaftler*innen entdeckten die große Inka-Ruine Ingapirca.

C. Ecuador erarbeitete eine neue Verfassung in der zum ersten Mal in der Weltgeschichte der Natur eigene Rechte zugestanden werden.

Lösung

C. Ecuador erarbeitete eine neue Verfassung in der zum ersten Mal in der Weltgeschichte der Natur eigene Rechte zugestanden werden.

Ecuador hat damit eine der modernsten Verfassungen der Welt mit einer guten Grundlage für Naturschutz- und Klimapolitik. Allerdings bleibt es in der Umsetzung leider noch zu oft bei den Worten auf dem Papier.

A ist übrigens auch passiert, wenngleich erst letztes Jahr (2024) und die Stätte Ingapirca war bereits den spanischen Konquistador*innen bekannt. Über meinen Besuch der Ruinen lest ihr in dem Beitrag über meine große Reise.

7. Ecuador ist weltweiter Hauptexporteur von…?

A. Bananen

B. Gold

C. Kakao

Lösung

A. Bananen

Bananen aus Ecuador machen ca. 27 % der globalen Exporte aus.

8. Ecuadors wirtschaftliches Zentrum liegt in…?

A. Quito

B. Cuenca

C. Guayaquil

Lösung

C. Guayaquil

Die große Hafenstadt Guayaquil liegt an der Pazifikküste. Von hier aus werden viele der Produkte aus Ecuador (aber teilweise auch anderen Ländern) in alle Welt verschifft. Mit ca. 3,1 Millionen Einwohner*innen ist sie die größte Stadt Ecuadors – noch vor Quito mit ca. 1,9 Millionen Einwohner*innen.

9. Wofür sind die Galapagos-Inseln bekannt?

A. Sie halfen Charles Darwin bei der Erkenntnis und Entwicklung der Evolutionstheorie.

B. Auf ihr befinden sich einzigartige, Jahrtausende alte Steinskulpturen, von denen immer noch nicht bekannt ist, wie sie dahin gekommen sind.

C. Auf ihnen wurden viele Fossilien von Dinosauriern gefunden.

Lösung

A. Sie halfen Charles Darwin bei der Erkenntnis und Entwicklung der Evolutionstheorie.

Im 19. Jahrhundert erforschte Charles Darwin die vielen endemischen Arten auf den Galapagos-Inseln und stellte fest, dass sich auf den voneinander isolierten Inseln verschiedene Tiere verschieden angepasst hatten. Z.B. gab es Finken mit verschiedenen Schnabelformen – je nach dem, welche Nahrung hauptsächlich auf ihrer Insel zu finden war.

10. Ecuador exportiert nicht nur Bananen, sondern auch Erdöl, Textilien und Kakaobohnen, die zu den feinsten weltweit gehören. Welches Handelsgut aus Ecuador ist noch sehr begehrt und gehört zu den Hauptexportgütern des Landes?

A. Rindfleisch

B. Rosen

C. Keramik

Lösung

B. Rosen

Ecuador verkauft an etliche Länder wie den USA, Kasachstan oder den Niederlanden Schnittblumen. Vor allem die hochwertigen Rosen sind bekannt. In den Anden, nahe des Äquators, befinden sich ideale Bedingungen für die Zucht: Mildes Klima, große Höhen und ganzjährig viel Sonnenlicht.

11. Die Hauptsprache Ecuadors ist Spanisch und wurde der Bevölkerung von den Kolonialist*innen aufgezwungen. Daneben werden jedoch immer noch viele Indigene Sprachen gesprochen. Welche Aussage ist falsch?

A. Kichwa wird nach Spanisch am meisten gesprochen und wird seid den 1970ern und 1980ern auch an Schulen unterrichtet.

B. Während Kichwa und Shuar auf insgesamt 1-2 Millionen Sprecher*innen kommen leben nur noch fünf Menschen, die Záparo als Muttersprache haben.

C. Kichwa gehört zur Quechuan-Sprachfamilie und wurde von den Azteken in die Region des heutigen Ecuadors gebracht.

Lösung

C. Kichwa gehört zur Quechuan-Sprachfamilie und wurde von den Azteken in die Region des heutigen Ecuadors gebracht.

Quechuan wurde von den Inka gesprochen, nicht von den Azteken. Während diese vor allem im Gebiet des heutigen Mexikos lebten, reichte das Inkareich bis nach Ecuador. Das Kichwa, was in Ecuador heute gesprochen wird, hat sich jedoch weiter entwickelt und unterscheidet sich auch noch einmal in Dialekte (vor allem der Unterschied zwischen den Anden und dem Regenwaldgebiet (Oriente)). In der Grundschule in Puka Urku, wo ich unterrichte, wird den Kindern auch Kichwa vermittelt. Puka Urku bedeutet auf Kichwa übrigens soviel wie „roter Fels“.

Und? Wieviele der Antworten hattet ihr richtig?

Quellen:

  • https://www.mordorintelligence.com/de/industry-reports/banana-market
  • https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/ecuador-gewalt-ausnahmezustand-100.html
  • https://millionenfakten.de/27-interessante-fakten-ueber-ecuador
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_Ecuadors
  • https://de.thpanorama.com/blog/historia/bandera-de-ecuador-historia-y-significado.html
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1103174/umfrage/groesste-staedte-in-ecuador/
  • https://roambliss.com/de/auf-den-galapagosinseln-ist-charles-darwin/
  • https://mytrip2ecuador.com/de/ecuadors-export-und-handel/
  • https://www.ripleybelieves.com/what-languages-are-spoken-in-ecuador-601

Lebensupdate (April 2025)

Ich weiß, so fange ich meine Artikel ständig an, aber ich kann es wirklich nicht glauben und will es auch nicht wahrhaben, dass es bereits April ist. Das neue Jahr hatte doch gerade erst begonnen… Wo sind die vier Monate hin? Wo sind die acht Monate hin, die ich bereits in Ecuador bin? Ich rase gefühlt auf August zu und das macht mir einerseits ein bisschen Angst, andererseits freue ich mich auch.

Da ich nicht alles, was mir im Alltag so begegnet oder mich beschäftigt, in einen eigenen Artikel packen kann, dachte ich, ich mache vielleicht eine kleine Liste… Wenn euch etwas näher interessiert, klickt einfach drauf.

Aktuelle Themen/ Gedanken/ Projekte etc

große Reise (Cuyabeno, Cuenca und mehr)

Ende März bis Anfang April habe ich meinen einen langen zusammenhängenden Urlaub genommen und bin erst in das wunderschöne Naturreservat Cuyabeno gefahren, um Tiere zu beobachten (unter anderem Faultiere und rosa Flussdelfine!) und danach über Riobamba nach Cuenca, eine der schönsten Städte Ecuadors mit viel Kultur und Kunst… Mehr Details zu meiner Route, Erfahrungen und schöne Fotos findet ihr in meinem Artikel „Ecuador erkunden 2.0 – meine große Reise

Großprojekt – die Grundschule in Puka Urku streichen und neu sortieren

Es ist mir ein bisschen peinlich, dass zu schreiben, aber das Projekt, um das es geht, wollen wir schon seit einem halben Jahr (erfolglos) umsetzten… Umso schöner, dass es jetzt endlich geklappt hat. Also so halb. Tatsächlich hat sich nach einem langen Arbeitstag mit den Kindern und Eltern herausgestellt, dass die Farbe nicht reicht.

Das Projekt besteht darin, die Schule einmal ordentlich zu reinigen, neu zu streichen, neue Materialien zu besorgen, ein neues Ordnungssystem (mit verschließbaren Kisten) einzuführen und ein paar Dinge zu reparieren. Nach dem wir nach Monaten endlich eine Kostenübersicht aufgestellt, genug Spenden gesammelt und die Materialien eingekauft haben, war am 8.4.2025 der (leider nicht letzte) Arbeitseinsatz. Wir haben eine Minga mit allen Eltern der Kinder gemacht und es wurde ordentlich geschuftet. Jetzt fehlt aber Geld für unerwartete Kosten – vor allem mehr Farbe, aber auch einiges für kleinere Reparaturen (z.B. tropft es an ein paar Stellen bei Regen durchs Dach)…

Falls ihr euch vorstellen könnt, ein paar Euro für das Projekt zu spenden, würden wir uns sehr freuen 🙂 Ihr könnt das über folgende Bankverbindung:

Raiffeisenbank Zug, 
VEREIN SABER Y CRECER 
IBAN CH33 8080 8003 6745 9609 3

(Am Besten beim Verwendungszweck Projekt Grundschule Puka Urku angeben) Danke euch!

lokale Früchte als Eissorten ausprobieren – Ranking

Im „parque lineal“, in der Nähe der Englischschule, gibt es einen Wassereisstand, der selbst gemachtes Eis aller möglichen Obstsorten anbietet – unter anderem auch eine große Anzahl lokaler Früchte. Das Angebot ist riesig und viele Früchte kenne ich bereits, aber ich habe es mir zur Challenge gemacht, alle Sorten mit Namen, die ich nicht kenne, auszuprobieren und ein Ranking zu erstellen. Noch fehlen mir sehr viele Sorten, aber ich kann ja schon einmal vorstellen, was ich bereits habe:

FruchtBewertung (1-10)Kommentar
Morete9Geht immer wieder und so viel besser als wenn man Morete einfach so isst
Unguraga8,5Schon nice, Geschmack unbeschreiblich
Mulchi5Fruchtig, aber hat kaum Geschmack?
Arazá con leche9Ehrlich erfrischend, sommerlich, fruchtig
Avío4Wo bleibt der Geschmack?? Leichter
Hauch von irgendwas Fruchtigem…
Borojó6Schmeckt ein bisschen nussig, lecker
Wachanso6Ist irgendwie Schokoeis mit irgendeiner Nusssorte, die ich nicht definieren kann
Umzüge im Studentenhaus Pakashka Sacha

Neue Student*innen kommen und gehen, aber vor allem gehen sie… 🙁 Von den vier Studenten, die bei meiner Ankunft im August da waren, ist jetzt auch der Vorletzte ausgezogen. Übrig bleibt nur der Jüngste, der irgendwie nicht richtig zählt, da er noch in die Highschool geht und eine Sonderrolle hat. Alle drei Jungs, die uns verlassen haben (der Erste schon im November, der Zweite im Januar und jetzt auch der Dritte) sind mir extrem ans Herz gewachsen und haben für mich Pakashka bedeutet. Es ist total schade, dass sie gehen, auch wenn wir im Kontakt bleiben. Jetzt ist es seltsam leer – wir brauchen dringend neue Student*innen, auch, um irgendwie mit dem Putzpensum klarzukommen. Immerhin ist eine ehemalige Studentin noch einmal eingezogen, da sie nachträglich zu ihrem Studiumsabschluss noch Englisch lernen will. Mit dem Jüngsten zusammen macht das zwei Student*innen auf drei Freiwillige und einen Chef – Finde den Fehler…

neue Experimente in der Küche

Unsere besten Köche sind leider ausgezogen und so langsam sehne ich mich nach Abwechslung von Reis und Nudeln. Deshalb versuche ich immer mehr Rezepte zu finden oder abzuwandeln, die ich mit beschränkten Zutaten im Haus kochen kann.

Nichtsdestotrotz konnte ich einige neue und leckere Sachen ausprobieren:

  • Veganes Schnitzel aus Haferflocken selber machen – Ich habe kein Foto, war aber relativ lecker verglichen mit dem wenigen Aufwand
  • Locro de papa – Eine Kartoffelsuppe, die sogar Nationalgericht ist und ich unbedingt in Cuenca probieren wollte, aber nicht gefunden habe. Deshalb habe ich einfach das erstbeste Rezept aus dem Internet selber nachgekocht und es ist mega lecker geworden. Allerdings kann ich nicht einschätzen, wie authentisch mein locro de papa wirklich ist, ich habe es hier ja noch nie probiert…
  • Blumenkohl-Wings – Blumenkohl in einer würzigen Marinade einlegen und frittieren, dazu Kartoffelbrei und ein frischer Salat mit Avocados und Sojasauce ist eines meiner neuen Lieblingskreationen…
  • Erdnusssuppe – Das Lustige ist, dass ich mein Rezept für Erdnusssuppe als angeblich typisch ecuadorianisches Gericht bereits vor meiner Einreise aus dem Internet habe, hier aber wirklich niemand je von diesem Gericht gehört hat… Aber es schmeckt trotzdem mega lecker und ich habe mich zum Glück wieder dran erinnert.
  • Linseneintopf – Okay, Linsen mit Reis gibt es oft, Linseneintopf ist also nicht wirklich neu, aber ich liebe Linsen einfach und habe echt nichts dagegen den Linsenanteil zu erhöhen und den Reis wegzulassen 🙂

Falls ihr irgendwelche Ideen und Tipps habt, schickt sie mir unbedingt! Wir haben vor allem frisches Gemüse, Grundzutaten wie Haferflocken, Mehl, Nudeln, Eier, Reis etc und ein paar Specials wie Erdnussbutter, Sojasauce und ab und zu Käse (auch wenn der nicht wirklich zählt…) da. Alles Verarbeitete (z.B. Tomatenmark) fehlt… Viele Rezepte, die ich liebe oder neu finde, kann ich leider aufgrund irgendeiner entscheidenden Zutat nicht umsetzten.

Frühlingsvibes im Regenwald

Wir befinden uns immer noch im sogenannten „Winter“, also der Regenzeit hier, aber die letzten Wochen waren wieder etwas trockener, sonniger und heißer. Auch wenn Trocken- und Regenzeit hier Sommer und Winter heißen, sind sie nicht mit den mitteleuropäischen Jahreszeiten zu vergleichen. Was mich deshalb so überrascht: Meine generelle Stimmung bewegt sich über die Monate gesehen genauso wie sie es sonst während der Jahreszeiten tun würde. Ist es Zufall? Oder ist meine innere Uhr noch so sehr auf Deutschland eingestellt? In (deutschen) Sommermonaten hatte ich mehr gute Laune, Energie und war viel draußen unterwegs. Dann habe ich mich ein bisschen mehr zurückgezogen, hatte während der Wintermonate (wegen dem vielen Regen vielleicht) eine kleine Winterdepression und jetzt spüre ich wie im Frühling neue Energie, mehr Lust rauszugehen, zu reisen und neue Dinge auszuprobieren… Diese Erkenntnis hat mich irgendwie verblüfft.

Mein Zimmer umräumen und dekorieren

Nach und nach füllt sich mein Zimmer immer mehr. Mittlerweile habe ich mich nicht nur längst eingerichtet – ich habe auch die Möbel verstellt, Mobile gebastelt, dekoriert und ganz viele Bilder a die Wand geklebt. Das mit dem Blick auf den Regenwald macht es zu einem Traumzimmer. Hier ein paar Fotos:

Upgrate Freiwilligenhaus Puka Urku

Über die Zeit wird das kleine Freiwilligenhaus in Puka Urku immer gemütlicher und voller. Die Entwicklung hat schon in meiner ersten Woche dort angefangen, als ich eine Wäscheleine aufgehangen habe und zieht sich hin. Dazu kamen:

  • eine (leider nur grüne) Lichterkette
  • eine Pumpe (für ein bisschen mehr Wasserdruck, Warmwasser wird wohl ein Traum bleiben)
  • ein Moskitonetz
  • ein mini-Spiegel fürs Bad, damit wir unsere hässlichen Arbeitsoutfits checken können 😉
  • ein Paar Plastiklatschen, damit wir nicht immer unsere hin und her tragen müssen
  • ein kleines Sieb
  • ein Kartoffelschäler (der gerade irgendwie weg ist)
  • ein Erste-Hilfe-Set (von mir gespendet… Fühlte mich irgendwie unvorbereitet)

Allein mit diesen Anschaffungen hat sich das Leben im kleinen Haus bereits viel luxuriöser angefühlt. Während ich die letzten Wochen auf Reisen war, wurde aber noch einmal eine riesige Schippe drauf gelegt: Wir haben jetzt auf dem Balkon Licht für abends, einen Seifenhälter in der Dusche und im Zimmer quetschen sich jetzt zwei Betten (das Neue viel größer als das Alte) sowie der mini-Kühlschrank, den wir im Pakashka immer für Privates genutzt haben! Ein Kühlschrank verändert alles. Wir können jetzt einfach Essen mitnehmen, dass gekühlt werden muss (Yoghurt etc), unser Obst und Gemüse wird nicht mehr so leicht schimmelig oder lockt bei schlechter Verwahrung Mäuse an, Reste halten sich und wir können in der Hitze kaltes Wasser trinken… Jetzt könnte ich auch deutlich länger in Puka Urku leben als nur fünf Tage am Stück 🙂

Ostern

Über Ostern war ich in Quito, wenngleich ich am Sonntag bereits wieder zurückkehren musste. Ostern ist in Ecuador ein ausschließlich christliches (vor allem katholisches) Fest, was nur denen etwas bedeutet, die religiös sind. Hasen, Eier, Süßigkeiten oder Geschenke gibt es hier nicht. Dafür Prozessionen (wie in Spanien), Gottesdienste und Kirchenkonzerte. Ich war bei der berühmten Karfreitagsprozession in der Altstadt dabei und fand es einerseits interessant, andererseits verstörend. Um Buße zu tun/ das Leiden Jesu nachzufühlen fügen sich viele Menschen selbst Schmerzen zu. Z.B. laufen viele auf dem heißen Plaster barfuß, manche schleppen schwere Kreuze, haben Fußketten um, peitschen sich selbst auf den Rücken, binden sich Kreuze aus Kakteen auf den nackten Rücken oder tragen andere Stachelpflanzen an sich…

Maria Statue die einmal durch die Stadt getragen wird

Später habe ich die traditionelle Suppe des Festes, Fanesca, probiert, in der jede der vielen Zutaten (Bohnen, Käse, Mais, Fisch, Empanadas, Eier, Kochbananen und und und) für einen anderen Apostel/ Jesus/ Maria steht. Ehrlich gesagt fand ich die Suppe echt ekelig, aber ich habe gehört, dass manche sie mit Erdnuss zubereiten, was bestimmt leckerer ist. 

Ansonsten gab es noch ein spirituelles Festival in dessen Ramen religiöse Konzerte stattfinden. Die meisten (unter anderm Barock Musik) gab es erst, als ich schon zurück war. Tatsächlich konnte ich jedoch zu einem gehen, was dann irgendwie aus der Reihe fiel und so gar nicht religiös war, maximal spirituell. Ich war aber echt positiv überrascht und mochte die Musik und Show sehr. Die Künstlerin heißt LaTorre… Hier ein paar Eindrücke: 

Heimweh vs. Vorweg-Heimweh meines neuen Zuhauses

Es ist eine sehr komische Mischung: Einerseits bekomme ich so langsam schon Sehnsucht, Freund*innen Und Familie wieder zu sehen, zuhause zu sein, deutsches Abendbrot zu essen etc., auf der anderen Seite fühle ich jetzt schon den Schmerz, so viele wunderschöne Sachen zurückzulassen. Ich weiß jetzt schon, was ich alles vermissen werde. Ich versuche die übrige Zeit so bewusst wie möglich zu genießen, aber melancholisch macht der Gedanke an Abschied mich schon. So viele Menschen, Orte und Gepflogenheiten sind mir ans Herz gewachsen und eine zweite Heimat geworden. Auf der anderen Seite freue ich mich auch schon auf mein erstes Zuhause… Es ist kompliziert.

Änderungen in der Englischschule in Tena

Auch in der Englischschule, die wir einmal die Woche besuchen, hat sich einiges geändert. Ehrlich gesagt halte ich bis jetzt von den Neuerungen aber nicht viel. Ausgangslage war, dass wir bereits seit fünf Monaten angesprochen haben, dass wir uns wenig nützlich fühlen: Die Lehrer*innen sind (weil es eine Privatschule ist) gut qualifiziert, die “Klassen” klein und der Unterricht gut. Wir können kaum helfen und hängen einfach nur die vier Stunden in der Schwebe. Mittlerweile habe ich extrem die Motivation verloren in die Englischschule zu gehen – Es ist wie selber Unterricht in einem Hassfach haben. Meistens ist es langweilig, ich kann nichts machen, sitze daneben oder wir gehen in den Park und spielen etwas/ essen Eis, was zwar nett ist, sich aber wie verschwendete Lebenszeit anfühlt. Geändert hat sich daran trotz vieler Gespräche, dass wir mehr einbezogen werden sollen, bis jetzt nie etwas. Ehrlich gesagt haben wir diesen Teil unserer Arbeit einfach irgendwann akzeptiert und ertragen ihn halt. Jetzt gibt es neue Sekretäre in der Schule, die extrem übermotiviert und gleichzeitig schusselig und ein bisschen planlos sind. Die neue Idee ist: Wir Freiwillige begleiten keinen Unterricht mehr sondern geben freitags extra-Workshops, in denen Schüler*innen das Thema der Woche vertiefen/ auffrischen/ üben können. Wir sollen also komplett allein unterrichten, was ich erst einmal als eine ganz schön große Verantwortung sehe. Und ja, vielleicht ist es egoistisch, aber mich stört, dass der Spaß ausgerechnet Freitag Nachmittag stattfinden muss. So dürfen wir nämlich Urlaubstage nicht mehr freitags nehmen und können auch nicht gut übers WE verreisen, da wir dafür schon mittags los müssten (nachts sollen wir nicht reisen)… Das schränkt total ein, vor allem, weil unsere Urlaubsregelungen eh total komisch sind und wir nur einmal in unserem Jahr viele (10) freie Tage am Stück nehmen dürfen. Wenn wir noch was vom Land sehen wollen sind wir also auf die Wochenenden angewiesen. Außerdem ist der Freitag durch die Änderungen übervoll, da wir zusätzlich auch putzen müssen, und Dienstag und Donnerstag haben wir fast nichts zu tun.

Letzten Freitag habe ich dann die ersten zwei Stunden gehalten, nachdem die Sekretäre wieder einmal alle Absprachen durcheinander gebracht hatten und bei einer zusätzlichen Sitzung zur Vorbereitung allen ernstes gezeigt haben, wie ich mir einen Stundenplan bei ChatGPT erstellen lassen kann, anstatt mir mehr Informationen dazu zu geben, welche Vokabeln etc. die Schüler*innen zu dem Thema bereits hatten. Zu meiner ersten Stunde kamen zwei ca. Fünfjährige, die sehr anstrengend waren und zu der zweiten dann statt den angemeldeten zwei Teenagern vier Schüler*innen, eine davon erwachsen und deutlich älter als ich. Und Überraschung: Das Thema konnten sie schon recht gut und all meine Planung war bereits nach einer halben Stunde durchgeführt. Deshalb sind wir danach in den Park und haben Englischspiele gespielt. Sinnvoll hat sich das ganze nicht angefühlt, aber ich will dem selber Unterrichten eine zweite Chance geben. Diese Woche war besonders hart für mich, weil ich die Möglichkeit gehabt hätte, das WE über einen Freund bei der Erkundung eines Vulkans zu begleiten, der ganz viele Wasserfälle in der Nähe hat. Das ging dann leider nicht, weil es schon nachmittags los ging. Mal schauen, wie es das nächste Mal in der Englischschule wird.

Präsidentschaftswahl

Am 13.4.2025 waren dann zum zweiten Mal Wahlen in Ecuador, diesmal eine Stichwahl zwischen dem derzeit amtierenden Präsidenten Daniel Noboa und Luisa González. In westlichen Medien wird sie gern als die linke und progressive Kandidatin und er als der eher konservative und rechte Kandidat dargestellt. Leider ist es nicht ganz so einfach. Wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht, wen ich gewählt hätte, denn beide sind auf ganz eigene Weise problemaisch. Beiden wird (und das wahrscheinlich zurecht) Korruption vorgeworfen. González steht in enger Verbindung zum umstrittenen im Exil lebenden Ex-Präsidenten Rafael Correa, der einerseits in Bildung etc investiert und eine progressive Verfassung erlassen hat, andererseits die Pressefreiheit extrem eingeschränkt, Grenzen geöffnet und so den internationalen Drogenhandel ins Land gelassen und extreme Schulden gemacht hat, unter denen das Land immer noch stark leidet. Ecuador, einst eines der sichersten Länder Südamerikas, hat durch den Einzug der Drogenkartelle einen hohen Gewaltzuwachs erlitten. Während gemunkelt wird, dass die Partei von Rafael Correa und Luisa González heimlich Abkommen mit den Kartellen machen, greift Daniel Noboa hart und militärisch gegen Gewalt durch. Aber auch sein Vorgehen ist umstritten, etwa, weil trotz seiner Aktionen die Gewalt dieses Jahr ein neues Hoch erlitten hat. Außerdem tritt er sexistisch und rassistisch auf, ist selber reicher Geschäftsmann und sehr neoliberal eingestellt und sympathisiert mit Trump. Letztendlich hat er die Stichwahl gewonnen, und das wird hauptsächlich an seinem starken Kurs gegen Bandenkriminalität liegen. Viele Menschen, die ich kenne, mögen Noboa nicht, haben aber Angst, dass die Gewalt weiter steigt und noch mehr Regionen unsicher machen sowie Tourist*innen abschrecken wird. Ich finde es problematisch, dass sich die Bürger*innen hier zwischen zwei schlechten Optionen entscheiden müssen. Was wirklich fehlt sind Zukunftsperspektiven für das Land, aber es bleibt kompliziert. Bei den letzten Wahlen wurde ein Kandidat, Villavicencio, der Korruption offen anprangerte, erschossen. Er war eine zu große Bedrohung für das organisierte Verbrechen. Ich habe den Eindruck, man kann es gar nicht so hoch schaffen ohne Korruption. Und das macht mich traurig. Aber jetzt werden wir wohl erst mal abwarten, was Noboas verlängerte Amtszeit so mit sich bringt… 

Hier ein kleiner Blick in den Wahlkampf bei einer Diskussion der beiden Kandidat*innen (leider nur auf Spanisch gefunden, aber man bekommt trotzdem ein Bild der beiden… Das Thema ist, wie man das organisierte Verbrechen bekämpfen und Sicherheit garantieren will):

Zukunftsplanung

So lange bin ich leider nicht mehr in Ecuador deshalb denke ich viel darüber nach, was ich zurück in Deutschland machen werde. Studieren? Und wenn was? Momentan ist mein Favorit Soziologie aber mal schauen.

Poesie Workshop

Als ich in der Englischschule einen Aushang für einen kostenlosen Poesie-Workshop gesehen habe war ich sofort dabei. Leider kann ich wegen Puka Urku nicht zu allen sechs Sitzungen gehen, auch wenn ich manchmal nachmittags die 1-2 Stunden nach Tena fahre und am nächsten Morgen wieder zurück. Im Workshop analysieren und besprechen wir Gedichte zu jeweils einem anderen Thema. Ich war bereits bei Liebeslyrik, Kinderlyrik und Protestlyrik dabei. Leider habe ich die Sitzung über zeitgenössische Poesie verpasst. Auf Spanisch teilweise sehr alte Gedichte zu verstehen fordert mich noch einmal ganz anders heraus, aber ich bin glücklich, diesen kreativen Raum hier gefunden zu haben. Am Ende jeder Stunde machen wir eine eigene kleine Übung und das große Ziel ist es, nächste Woche an unseren eigenen Kreationen zu arbeiten und diese in einem Dokument gesammelt zu veröffentlichen. Ich bin schon gespannt, noch mehr von den anderen Teilnehmenden zu lesen.

Hier findet der Workshop statt
Besuch in der Liana Lodge/ AmaZoonico

Letztes Wochenende habe ich relativ spontan zwei Freiwillige in der Liana Lodge besucht und mir die Tierauffangstation AmaZoonico angeschaut. Wir hatten echt eine schöne Zeit! Hier ein paar Eindrücke:

Ozelot 🙂
Tapir

Weitere random Fotos der letzten Monate

Fazit

Alles in Allem geht es mir gerade echt gut. Wie schon erwähnt habe ich neue Energie und Lust das Land zu erkunden und meinen Freiwilligendienst bis zum Schluss zu genießen. Manchmal fühlt sich das Blog-Schreiben wie eine Einbahnstraße an – ich erzähle viel nach Hause, habe aber (bis auf meine engsten Menschen) keine Ahnung, was eigentlich dort so abgeht. Wie geht es euch so? Was beschäftigt euch zur Zeit? Und habt ihr vielleicht Fragen/ Anmerkungen/ Themenvorschläge etc. für meinem Blog? Lasst gern mal wieder von euch hören, ob in den Kommentaren oder Privat 🙂

Bis bald!

Ecuador erkunden 2.0 – Meine große Reise

Nach der reichlichen Hälfte meines Freiwilligendienstes habe ich endlich beschlossen eine Pause zu machen. Einmal im Jahr darf ich gesammelte Urlaubstage am Stück freinehmen und zwei Wochen verreisen. Eigentlich hätte ich gern eine interaktive Karte mit Fotos und Notizen zu meiner Reise veröffentlicht, scheitere aber an der Technik. Fotos und Text werden wohl reichen müssen…

meine Route

Im Grunde hatte ich zwei große Hauptziele, die ich beide in Ecuador besuchen wollte aber für einen kurzen Trip zu weit weg liegen: Das Naturschutzreservat Cuyabeno und die Großstadt Cuenca mit den Inkaruinen Ingapirca in der “Nähe”. Leider liegt ersteres komplett im Norden und zweiteres im Süden des Landes, weshalb ich vieeeele Stunden im Bus verbracht habe…

Hier eine Karte mit meiner Route:

1. Puerto Francisco de Orellana/ Coca 2. Nueva Loja/ Lago Agrio 3. Naturreservat Cuyabeno 4. Tena 5. Riobamba 6. Cuenca

1. & 2. Coca und Nueva Loja:

Um Ehrlich zu sein befanden sich diese beiden Städte nur auf meiner Route, um die langen Busfahrten in ca. 3 h Strecken aufzuteilen. Besonders schön sind beide eher nicht – was sie besonders macht sind vor allem Aktivitäten in der Natur herum (Kajak, Rafting, Regenwald erkunden etc etc), wofür ich allerdings keine Zeit hatte. Am 22.3.2025 ging es ca. Mittags für mich los nach Coca und nach einer Übernachtung weiter nach Nueva Loja. Hier die wenigen Fotos, die ich gemacht habe:

3. Cuyabeno Reservat

Für fünf Tage (vier Nächte) war ich im Naturreservat Cuyabeno in der Tucan Lodge… Es hat sich echt gelohnt! Wir hatten extremes Glück mit dem Wetter (nur am Abfahrtstag Regen) und konnten viele Tiere sehen, u.a. Faultiere, Kaiman, Tucane, Affen, rosa Flussdelfine und mehr. Außerdem haben wir Schokolade, Kaffe und Pan de Yuca selber hergestellt. Abgeholt wurden wir an einer Sammelstelle mit dem Motorkanu und sind dann mehrere Stunden zur Lodge gefahren, die wirklich mitten im Regenwald liegt. Von dort aus haben wir Touren unternommen (sowohl Wanderungen als auch Flussfahrten) und waren immer ganz gut beschäftigt. Deswegen hat es mich eigentlich auch nicht gestört, dass wir für die Tage kein Internet und Empfang hatten. Die Natur war eine viel bessere Beschäftigung 🙂

Für alle, die es nicht wissen: Cuyabeno ist ein Schutzreservat im Norden Ecuadors und vor allem für seine große Tiervielfalt bekannt. Das Gebiet wird vom Cuyabeno Fluss durchschlängelt und besitzt viele Lagunen, die in der Trockenzeit teilweise komplett austrocknen und in der Regenzeit gefüllt werden. Anders als der Wald in Tena, wo ich lebe, ist Cuyabeno Flachland und nicht der Ausläufer der Anden. Bei der Hitze des Waldes nicht noch zusätzlich Hügel und Berge hochzukraxeln fand ich sehr angenehm…

Ecuador ist nicht nur das Land mit der größten Artenvielfalt der Welt – es besitzt auch eine große Vielfalt an Nationalitäten und Kulturen.

Übersicht über Nationalitäten und Kulturen Ecuador

Diese Karte aus dem Pumapungo Museum in Cuenca finde ich ganz hilfreich:

Im Reservat gibt es mehrere Communities verschiedener Indigener Kulturen. Ein Dorf haben wir sogar besucht, um Pan de Yuka herzustellen, vom Schamane über Heilkunst erzählt zu bekommen und ein bisschen über die Kultur zu lernen. Erst war ich skeptisch. Ich hatte Sorge, dass die Menschen, da sie auf das Geld der Tourist*innen angewiesen sind, bewusst deren (rassistischen) Stereotype bedienen könnten. In der Nähe der Communidad Puka Urku, in dem ich in der Grundschule arbeite, gibt es ein Dorf, dass sich dem Tourismus geöffnet hat und in dem z.B. Kinder/ Frauen typische Tänze in den ursprünglichen Trachten (die sonst niemand mehr trägt) aufführen und von Städtler*innen und Ausländer*innen beglotzt werden, Papageien die Flügel gestutzt wurden, damit sie nicht wegfliegen können etc etc. An meinem ersten Arbeitstag im Dorf hat unser Chef uns auf dem Rückweg da vorbeigebracht und in meinem Häuschen höre ich manchmal aus der Ferne die Trommeln. Welch eine Überraschung: Aus meiner Erfahrung in Puka Urku kann ich sagen, dass ein Leben in einer Indigenen Communidad natürlich nicht (mehr) so aussieht und das Ganze sehr viel Show für die Tourist*innen ist, die halt mal „echte Indigene mitten im Dschungel“ anschauen wollen. Sehr schwierig, da einerseits Tourismus eine Einahmequelle für solche Communities ist und auch eine Möglichkeit, Traditionen zu bewahren und zu leben, anderseits koloniale Abhängikeiten bestehen bleiben und Rassismus reproduziert wird… Meine Befürchtungen haben sich aber zum Glück nicht bestätigt: Die Lodge hat eine gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit der lokalen Indigenen Bevölkerung und unterstützt mehrere Familien im Dorf, indem sie ihren Kakao und Kaffe z.B. von dort kaufen und auch alle Angestellten aus der Gegend kommen. Auch haben sich die Menschen aus dem Dorf z.B. bewusst dagegen entschieden Tänze etc. für die Turisten aufzuführen und behalten diese ihren eigenen Festen vor.

Unser Guide hat es recht eindrücklich erklärt: Was dieses einzigartige Ökosystem des Reservates schützt, ist letztendlich der Tourismus. Erstens, weil der Tourismus (wenn mit Zusammenarbeit der Einheimischen) Geld in die Indigenen Familien bringt, die sonst Fischerei betreiben würden (in manchen Gegenden des Amazonas Regenwaldes werden Flussdelfine sogar umgebracht, da sie den Menschen die Fische wegessen) und, viel wichtiger, zweitens: Unter dem Naturreservat liegt eine Menge Erdöl. Wenn die Gegend nicht von Tourist*innen profitieren würde, die kommen, weil sie die unberührte Natur sehen wollen, wäre das Gebiet schon längst an Ölfirmen verkauft und das Ökosystem nachhaltig beschädigt worden. Diese Erkenntnis war sowohl lehrreich als auch bitter für mich. Gleichzeitig hat es mich umso dankbarer gemacht, diese mega interessante Natur erleben zu dürfen.

Einen Einblick in meine Zeit in diesem wunderschönen Fleckchen Natur findet ihr hier:

Die Natur in Cuyabeno war noch einmal deutlich anders, als ich es im Alltag gewöhnt bin. Absolute Highlights waren die Rosa Flussdelfine (wenn auch leider nur aus der Ferne), das eine Faultier, was wir total nah sehen konnten und bei Sonnenuntergang in der großen Lagune schwimmen gehen. Aber auch selber mit dem Kajak unterwegs sein war sehr cool. Ich glaube diese fünf Tage sind auf jeden Fall einer der Höhepunkte meines Jahres in Ecuador und haben mich das Land noch einmal ganz anders kennenlernen lassen.

4. & 5. Tena und Riobamba

Freitags bin ich dann ca. Mitternacht in Tena (zuhause) angekommen, um eine Nacht dort zu schlafen, meine Wäsche am nächsten Morgen zu waschen und dann die sechs bis sieben Stunden nach Riobamba zu fahren. In Riobamba wollte ich eigentlich unbedingt mit einem der kaum existierenden Züge in Ecuador zu fahren, der eine fantastische Aussicht haben soll (Tren Narriz del Diablo). Stellte sich heraus, dass die Strecke immer noch nicht wider in Betrieb genommen worden ist. Da Sonntag war (Samstag bin ich erst spät angekommen), war auch so ziemlich alles zu. Nur ein kleines Museum konnte ich finden, was ganz nett war und ich habe ein paar Kirchen von außen gesehen. Alles in Allem nicht das größte Highlight, aber okay. Hauptsächlich hatte ich den Zwischenstopp von zwei Nächten sowieso nur gemacht, um nicht dreizehn Stunden nach Cuenca durch zu fahren…

6. Cuenca

Schließlich war ich dann für fünf ganze Tage in Cuenca… Ich bin ehrlich, ich wünschte, ich könnte öfter in dieser hübschen Stadt mit alten Häusern, Kunst, internationalerer Küche etc. sein. Cuenca hat für mich einen europäischeren Flair, was nach so langer Zeit ganz angenehm war und mich zuhause fühlen lassen hat. Hier, was ich so alles vorhatte (und zum Großteil gemacht habe):

Liste, was ich alles in Cuenca vorhatte/ auch wirklich gemacht habe

In Cuenca unterwegs:

Ihr wisst nicht wie glücklich ich war, nach einem halben Jahr einen feucht-warmen guten Brownie und Sauerteigbrot (sogar mit Blaubeeren und Nüssen drin) zu finden…

Nationalpark El Cajas:

Leider hat es während unserer Wanderung immer wieder geschüttet, aber die Natur war echt wunderschön…

Museum Pumapungo

Mit vielen verschiedenen Ausstellungen setzt sich das Museum vor allem mit der indigenen und kulturellen Vielfalt Ecuadors auseinander…

Konzert mit „La Máquina Camaleón”

Spontan konnte ich mit einer Mitfreiwilligen und Freund*innen zu einem Konzert gehen, dessen Hauptband ich sehr mag. Hier ein kleiner Einblick…

Eine andere Band, die davor gespielt hat…
„La Máquina Camaleón”
Mein Lieblingslied der Gruppe – “Estrella”

Inka-Ruinen Ingapirca

Auf der Rückreise nach Tena bin ich extra noch zu den Inka-Ruinen Ingapirca gefahren, die ich unbedingt sehen wollte. Es war ausgerechnet ein Samstag und alle Plätze waren schon ausgebucht. Das hat mich schon ein bisschen traurig gemacht, aber zum Glück konnte man die Anlage von Außen auch recht gut sehen, der Besuch des kleinen Museums war kostenlos und es gab noch einen Spazierweg zum “Inkagesicht” (Cara de Inka), eine Felswand, in der ein Gesicht erkennbar ist. Rückwegs habe ich noch Canelasse getrunken, ein Heißgetränk, dass mich an Apfelpunsch erinnert, auch wenn es aus „Naranjilla“ gemacht ist. Sehr lecker 🙂

Und danach ging es auch schon die sehr lange Fahrt nach Hause 🙁

Fazit

Alles in Allem war dieser Urlaub einer der Highlights meiner Zeit in Ecuador hier. Ich konnte noch einmal ganz andere Ecken des Landes erkunden und habe viel dazu gelernt. Außerdem hat mir die längere Auszeit echt gut getan. Jetzt bin ich noch motivierter, meine Wochenenden für kleinere Reisen zu nutzen und Ecuadors wunderschöne Natur zu Genießen… Darüber werde ich hoffentlich ein anderes Mal schreiben. Bis dann!

Hannah aka. Amanda

Das bedeutet Ecuador für mich…

Anfang Februar hatten wir unser Zwischenseminar in einer Lodge in der Nähe von Tena. Es war total schön, die anderen Freiwilligen wiederzusehen und sich auszutauschen. Gemeinsam haben wir Themen und einen Seminarplan erarbeitet. Wie auch beim Vorbereitungsseminar wurde viel reflektiert… Unser Abschlussthema am letzten Tag war „Was bedeutet Ecuador für dich?“. Es war total spannend zu sehen, wie teilweise die gleichen, teilweise total verschiedene Assoziationen in meiner Kleingruppe auftauchten. Einen großen Unterschied merkt man auf jeden Fall je nach dem, ob die Person in der Sierra (Andenregion) oder im Oriente (Amazonasregion) lebt und arbeitet. Ich dachte, vielleicht sortiere und teile ich die Stichwörter mal, die wir so gesammelt haben… Die Wörter, die Fett markiert sind, sind die stärksten Assoziationen für mich.

Unterwegs und Alltag

Kolonialstädte

Z.B. Cuenca oder das historische Zentrum von Quito. Die Einzigen „schönen“ Städte mit hübschen alten Häusern etc.

Historisches Zentrum in Quito
heruntergekommene/ hässliche Städte

Das typische Stadtbild in Ecuador ist doch eher trist.

Wäscheleinen

Wäsche wird vor/ neben/ auf dem Haus auf gehangen und gehört zum Stadtbild. Die Sonne wird zum Trocknen ausgenutzt.

Straßenhunde

Straßenhunde findet man echt überall. Manche sind komplett ohne Besitzer*in, andere dürfen wie Katzen einfach frei herumstreichen. Manchmal muss man aufpassen, weil sie aggressiv sein können.

Motor-Kanu

Riesige Kanus die mit Motor betrieben werden sind das Fortbewegungsmittel auf Flüssen. Manche Orte erreicht man auch nur so…

Comunidades

= sehr kleine, i.d.R. Indigene Dörfer

Blechdächer

Gibt es häufiger, besonders bei Regen wird es darunter echt laut.

Abgase

freie Hühner

Vor allem in kleineren Städten/ Dörfern laufen nicht nur Hunde, sondern auch Hühner frei herum.

Hühner auf dem Schulhof in Puka Urku
ungesicherte Dachterassen

Habe ich persönlich eher weniger gesehen, soll aber in den Bergen ein Ding sein.

Klopapier mitnehmen/ nicht herunterspülen

Entweder man hat selber was dabei, oder man kann meistens bei öffentlichen Toiletten für 25 cent ein bisschen abgewickeltes Papier kaufen. Das Papier wird immer separat in den Müll getan, damit die Wasserreinigung einfacher ist oder so.

Bargeldkultur

Fast überall kommst du nur mit Bargeld weiter und Leute heben teilweise auch winzige Beträge wie 10 Dollar einzeln ab, wenn sie sie brauchen.

Jesus/ Maria/ Heiligenbilder

Statuen, Kreuzen, Bildern, Amuletten oder Bibelzitaten begegnet man überall, z.B. im Bus. Das Land ist schon recht katholisch geprägt.

verschiedenen Klimazonen

Die Küste, die Berge, der Regenwald und die Galapagos-Inseln sind die vier verschiedenen „Welten“ Ecuadors und haben schon einige Unterschiede (nicht nur klimatisch).

Plastiktüten

Jeder mini-Einkauf wird in eine oder mehrere Plastiktüten eingepackt.

Straßenverkäufer*innen in Bussen

Wenn ein Langstreckenbus hält steigen normalerweise Straßenverkäufer*innen kurz ein, gehen einmal bis nach hinten und bieten ihre Ware feil.

Moto-Taxi

Motorräder sind DAS Fortbewegungsmittel hier und ab 50 cent kann man sich mitnehmen lassen. Gut und gerne quetschen sich mal 2-4 Leute auf eine Maschiene, i.d.R. hat maximal der*die Fahrer*in einen Helm…

schreiende Verkäufer*innen

Man gewöhnt sich daran, aber überall in der Straße/ auf dem Markt/ im Bus/ … kann versucht werden, dir die eigene Ware zu verkaufen.

Wildes Bussystem

Am Anfang hat es Umgewöhnung gebraucht, denn das Bussystem ist hier zwar recht flächendeckend ausgebaut, aber sehr anders als in Deutschland. Z.B. gibt es keine Haltestellennamen, keine Fahrpläne für Stadtbusse, du kannst überall rausgeschmissen werden, bezahlst in Münzen direkt beim Einsteigen, die Busse rasen recht gerne mal und manchmal bleiben einfach die Türen beim Fahren offen.

Taxi-Fahren

Ist auch recht verbreitet und in Vergleich zu Deutschland echt mega günstig (2-3 Dollar für eine einfache Fahrt).

Cat-Calling

Leider auch recht verbreitet, auch wenn es drauf ankommt, wo man ist… 🙁 Mir zum Glück noch nicht allzu oft begegnet.

schlechte Filme in Reisebussen

Vor allem Action und Horror, das Ding ist, sie laufen (auch nachts) immer laut und es sind ja auch Kinder im Bus…

Cédula Nummer

Cédula ist der Personalausweis hier und die eigene Nummer kann jede*r auswendig und wird beim Einkaufen, Irgendwo registrieren oder Rechnung schreiben immer abgefragt.

Capybara

Manchmal kommt das Gefühl auf, Ecuador ist ein Capybara (das sind diese süßen Felltiere) Fanclub. Immer wieder begegnen einen Capybara Kuscheltiere, aber auch alle möglichen anderen Artikel (Rucksäcke, T-Shirts, …).

Haifisch-Schlappen

Badeschlappen, die aussehen wie Haifische. Keine Ahnung warum die hier so viele tragen, auf jeden Fall findet man sie auffällig häufig.

wunderschöne Natur

Die Natur, die ich bis jetzt sehen durfte, war einfach nur atemberaubend. Sowohl die Anden als auch der Regenwald ist wunderschön.

Wasserfälle

Ich habe in sechs Monaten bestimmt mehr Wasserfälle gesehen als je zuvor in meinem Leben 🙂

krasse Viecher

Insekten haben hier alle noch einmal ein Upgrade – in der Regel größer und manche können unerwartet einfach fliegen (Kakerlaken? Heuschrecken? Ameisen?). Außerdem gibt es alle möglichen Arten von Schrecken, die sich als Stöcke oder Blätter tarnen. Und dann gibt es noch die Mücken… Alles in allem habe ich mich aber recht schnell an die Tiere gewöhnt.

Die Melodie des Gas-Autos

Fast alle kochen hier mit Gasherd und es gibt so Wägen, die die Flaschen liefern. Immer wenn das Auto auf der Straße vorbei fährt spielt es die gleiche nervige Melodie ab, damit alle wissen, dass sie rauskommen und Gas kaufen können… So iconic.

niedrige Preise

Ein Mittagessen für 2,5 $, eine Busfahrt für 30 cent oder Taxi fahren für drei Dollar… Ich werde die Preise hier vermissen.

Machete

Vergesst Rasenmäher, Gartenscheren, Äxte, Küchenmesser etc. etc. Macheten sind multifunktional und werden immer eingesetzt 🙂

Ich beim Machete schleifen…

Essen und Essenskultur

Überzuckerte Säfte (jugos)

Jugos – Säfte – gibt es echt überall und immer als Getränk

mora

Mora ist eigentlich Brombeere, nur das diese hier einen leicht anderen Geschmack hat. Zur Zeit ist sie reif und man findet sie überall. Mit Gelatine zum Lutschen, als Eis, Sauce für Desserts, Saft, Marmelade, ….

frutas

Ich glaub zu frutas (Früchten) muss ich nicht viel sagen… Alle Formen und Farben vertreten.

helado con queso (Eis mit Käse)

Sehr fettig, aber eigentlich ganz lecker

viel Mayo

oft sogar selbstgemacht…

alle trinken aus den gleichen Becher

vor allem in der Schule, beim Feiern oder in der Communidad

(Trockener) Reis

Reis ist schon das Grundnahrungsmittel hier und wird auch durchaus pur mit Hähnchen, ohne Sauce gegessen…

Öl, Fett, Kohlenhydrate

Trotz der Vielfalt an Gemüse und Obst hier ist die traditionelle Küche doch eher Reis mit Frittiertem. Überall wird noch mal ordentlich Öl oder Käse dazu gegeben

Achiote

Die Pflanze wird einerseits zur Körperbemalung (oder von mir auch einfach so zum Malen) genutzt, andererseits wird ihr rötliches Öl sehr gern zum Kochen verwendet und z.B. Reis oder Saucen beigegeben

salsa de tomate (Ketschup)

Ketchup wird wie Mayo bei Straßenverkäufen fast immer dazu gegeben, hat aber leider oft einen eher chemischen Geschmack und erinnert noch weniger an Tomate als in Deutschland

ají (Chili)

Chili wird in Form von selbst gemachten (stückigen/ Salat ähnlichen) Saucen immer zum Essen dazu gestellt)

Tilapia Folterbecken

Tilapia ist ein Fisch, der hier sehr beliebt ist. In der Straße kommt man immer mal wieder an Fischereien vorbei, die Becken wirklich vollgestopft mit diesen lebenden Fischen haben. Glücklich können die da nicht sein…

Das ist tatsächlich noch einmal eine andere Fischart und das Becken ist noch verhältnismäßig leer, aber so in etwa kann man es sich vorstellen…
guaba

Guaba ist eine Frucht die wie in einer ca. 1 m langen Bohne wächst und man echt überall am Straßenrand findet. Man isst das weiße Fruchtfleisch der Bohnen und spuckt den Kern dann aus.

Parasiten und Margen-Darm

An den beiden Themen kommt man in Ecuador auf Dauer wohl nicht vorbei…

Kokossaft auf der Straße

Wird wirklich überall angeboten und ist mega lecker.

schlechtes Brot

Das Brot ist weiß, sehr luftig und in der Regel sehr sehr trocken. Manchmal hast du noch eine kleine Käsefüllung. Von der Größe ist jedes Brot eher ein Brötchen, nur dass es keine Kruste hat.

Bohnen/ Linsen

Bohnen/ Linsen in allen Möglichen Ausführungen gibt es als sogenannte manestra zum Standard Gericht (Reis/ Bohnen/ Salat/ Hähnchen) überall dazu. Stangenbohnen sind das Einzige, was mir fast nie begegnet.

Eier

Überall kann ein (Spiegel-)ei dazu serviert werden. Normalerweise kauft man Eier in großen Paletten auf die vielleicht so ca. 25 Eier passen. Am Tag 3-5 Eier zu essen passiert sehr schnell hier…

pollo (Hühnchen)

Absolutes Lieblingsessen der Meisten hier. Überall gibt es Hähnchen mit Reis und Hähnchensuppe. Der Fleischkonsum ist wirklich enorm und auch wirklich billig. Übrigens: Pollo wird nicht zu carne, also Fleisch dazu gezählt. Carne ist dann der Rest (Rind, Schwein, …).

Nestle

Beim Einkaufen kommt man um Nestle leider überhaupt nicht herum. Fast alle verarbeiteten Produkte kommen davon…

Kakao Bohnen

Das Fruchtfleisch zu lutschen ist echt lecker. Außerdem sieht man oft die Bohnen auf Landstraßen am Rand in der Sonne trocknen.

Screenshot
plátanos (Kochbananen)

Kochbananen gibt es wirklich überall. Man kann sie als Chips machen, frittieren, kochen, kochen und danach zu Krümeln zerstampfen, in Suppen tun, … Man unterscheidet zwischen verde und maduro (grün und reif). Die Grünen kann man nur gekocht essen und sind eher herzhaft (sehr lecker), die bereits Reifen sind sehr süß, karamellisieren beim Braten leicht und werden trotzdem zu herzhaften Gerichten gereicht (ich stehe nicht so drauf…). Beim Schälen muss man voll aufpassen, denn die Schale hat so einen klebrigen Saft der Braune Flecken hinterlässt und nicht abgeht.

encebollado

Eine typische Fischsuppe die sehr viele (Einheimische wie Ausländer*innen) lieben… Ich mache mir nicht so viel draus.

Suppen

Bei einem normalen Essen für 2-4 US-Dollar bekommt man in der Regel vor dem Riesen Teller Reis/ Bohnen/ Salat/ Hähnchen eine Suppe. Suppen gibt es echt überall, allerdings meistens mit Fleisch.

Guayusa

Eine Art Tee, aus dem man auch sehr gesüßten Eistee machen kann. Die Pflanze ist sehr lokal, enthält viel Koffein und soll sehr gesund sein. Er wurde von Indigenen schon lange als alltägliches Getränk, in Zeremonien oder vor der Jagd getrunken und hält einen angeblich jung. Im Amazonasgebiet gibt es den (Eis-)tee überall, in den Bergen kennen sogar viele das Getränk nicht einmal…

Die getrockneten Blätter
Guayusa Tee
ungewürztes Popcorn

Popcorn (ohne Salz/ Zucker) wird wie Crotons in Suppen getan.

Yuka und Chicha

Yuka ist eine Wurzel, die man z.B. kochen oder frittieren kann und dann vom Geschmack her ein bisschen an Kartoffel erinnert. Wird überall dazu gereicht und wächst auch an Straßenrändern. Chicha ist ein indigenes Getränk, das aus fermentierter Yuka besteht und für mich ein bisschen den Geschmack von Ziegenmilch hat. Das Getränk sättigt sehr und wird z.B. während der Arbeit getrunken. Nach ein paar Tagen enthält es ordentlich Alkohol.

Löffel

Nicht immer, aber ab und zu gibt es beim Essen nur einen Löffel. Mit der Zeit lernt man alles Mögliche damit zu essen (auch Spiegelei).

Lebensmittel-Ampel

Auf jedem verarbeitetem Produkt steht hinten drauf, ob es jeweils wenig (grün), mittel (gelb) oder viel (rot) Fett, Salz und Zucker enthält.

Kultur

Familie

Familie hat in Ecuador durchschnittlich einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland. Auch junge erwachsene Menschen sind noch jahrelang/ jahrzehntelang von ihren Eltern beeinflusst (abhängig?) und leben auch länger noch zuhause.

Ecuabet

Wetten um Geld (z.B. bei Fußballspielen) ist sehr verbreitet…

US-Fan

Vor allem in den Städten merkt man überall den Einfluss der US-Amerikanisierung. Vieles wird relativ unreflektiert übernommen/ nachgeeifert. Dazu gehört nicht nur der US-Dollar als Nationalwährung, auch der Bau von Malls, sich Coca Cola leisten können, Konsum, amerikanische Filme, …

Nationalstolz

Für mich als Deutsche ist es teilweise befremdlich, den starken Nationalstolz anderer mitzubekommen. Das soll allerdings generell ein Ding in Amerika sein. In Ecuador ist es in Highschools z.B. üblich die Flagge zu hissen und die Nationalhymne in Reih und Glied zu singen. Überall begegnet man Ecuador-Flaggen und die meisten Menschen sind stolz auf ihr Land.

traditionelle Kleidung

Während traditionelle Kleidung der Amazonasregion i.d.R. Nur bei Tanzaufführungen auf Festen getragen wird, begegnet man in den Anden immer wieder Indigenen mit ihren Hüten, langen Röcken, Goldschmuck etc. etc.

traditionelle Blusen auf Indigenen Markt in Otavalo
Tanzauftritt zur Feier in Puka Urku in traditioneller Kleidung
Katholische Kirche

Der Großteil der Bevölkerung Ecuadors ist katholisch und man bemerkt diesen Einfluss überall. Neben vielen Kirchen stolpert man immer wieder über Abbildungen von Jesus/ Maria/ Heiligen im Bus, auf der Straße etc. Mein Umfeld im Freiwilligendienst ist nicht so stark religiös geprägt, aber andere Freiwillige sind z.B. in religiösen Kindereinrichtungen oder leben bei einer katholischen Gastfamilie. In der Grundschule, in der ich arbeite, wird mit den Kindern gebetet/ Kirchenlieder gesungen.

Sexualität offener/ sichtbarer?

Für mich als Außenstehende wirkt die Ecuadorianische Kultur sehr ambivalent. Auf der einen Seite steht die starke Religiosität, auf der anderen sexuelles Ausleben. Hier wird es häufiger nicht als Widerspruch angesehen z.B. gläubig zu sein, aber in sehr enger Kleidung in Discos getanzten Sex zu haben. In Bussen begegnen mir Bibelzitate und Jesusbilder, aber auch Sprüche wie z.B. (übersetzt) “Wenn der Knopf nicht funktioniert, dann schreie wie letzte Nacht”, “Wenn das Kind vom Fahrer ist, ist die Fahrt kostenlos.” oder “Ich bin wie der Honig der Biene, an mir bleiben Frauen kleben.”… Direkt daneben “Gott beschütze mich auf meinem Weg”…

Ich würde nicht sagen, dass alle hier total sex-geil oder aufreizend gekleidet wären, aber es scheint eine sehr größere Entspannung mit dem Thema Sexualität zu geben (jedenfalls so lange es heteronormativ bleibt…), als ich es aus Deutschland kenne.

wenig Aufklärung

Hand in Hand mit der etwas freieren Möglichkeit sich sexuell auszuleben geht der Anschein einher, dass wenig sexuell aufgeklärt wird. Frühe Schwangerschaften sind nicht unüblich und manchmal habe ich den Eindruck, dass Verhütung von manchen als “unsexy” angesehen wird… Der Eindruck ist, dass vor allem Schulen dem Auftrag Aufzuklären nicht nachkommen.

Neben wenig sexueller Aufklärung, scheint es aber auch bei anderen Themen bei der Mehrheit der Gesellschaft wenig Wissen zu geben. Beispiele: Umweltschutz, Rassismus, Demokratie, psychische Probleme, …

Deutschland ist in seiner Aufklärung auf jeden Fall noch nicht perfekt, ich merke aber schon, dass bei uns Kinder eher/ verpflichtender mit solchen Themen in Kontakt kommen und wenigstens vllt. In einer Doppelstunde während der Schullaufbahn darüber geredet wird.

Machismus

Machismus ist hier weiter verbreitet… Männer spielen eher den Starken, konkurrieren und denken, sie könnten und dürften die Frau dominieren. Traditionelle Familienstrukturen sind nicht unüblich, Töchter müssen deutlich mehr mithelfen im Haushalt als Söhne und auch sexuelle Belästigung wird als normaler/ alltäglicher/ verzeihlicher(?) angesehen. Die Rollenbilder sind noch sehr stark in den meisten Köpfen drin. Wenn ich z.B. neue Wassertanks für das Pakashka Sacha bestelle, ist der Lieferer doch recht perplex wenn ich mithelfe sie hochzutragen und häufiger haben Männer das Bedürfnis mir helfen zu müssen, weil sie mir Sachen nicht selbst zutrauen. Das ist eine sehr milde Form. Aber der Machismus und letztendlich Sexismus gräbt tiefe Gräben und kann Formen annehmen, die bis hin zu sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Gewalt in der Ehe oder Femizide reichen.

Bargeldkultur

Ich glaube dazu muss ich nichts sagen… Ich renne auf jeden Fall ständig mit meinen Dollar und Cent Münzen herum.

relaxed/ im-Hier-und-Jetzt/ Spontanität/ Unzuverlässigkeit

Es ist ein bisschen ein Klischee, aber ich kann es irgendwie bestätigen: Die Mentalität hier ist so viel entspannter. Es gibt weniger strenge Vorschriften (bzw. Niemand kümmert sich um sie), weniger streng getaktete Alltäge, feste Pläne, Hektik, …

„In Ecuador ist alles möglich, aber nichts sicher“ ist ein Spruch hier oder auch „Alles kann, nichts muss in Ecuador“ und das stimmt. Viele Treffen sind super spontan, wenn gesagt wird, dass eine Feier um 19 Uhr losgeht, kann es schon mal bis 21:30 Uhr dauern bis wirklich was passiert und teilweise kann mir ein Student im Haus erzählen, er zieht nächste Woche aus, vielleicht aber auch nicht und er weiß noch nicht wo er dann leben und arbeiteten will… Auf der Straße quatschen Leute entspannt, wenn gerade Pause ist wird eben später oder morgen oder nie weitergearbeitet und das Projekt beendet und wenn du spontan was machen willst findet sich meistens jemand.

Auf der einen Seite ist dieses Lebensgefühl sehr angenehm, da man viel mehr im Zeitfluss lebt, anstatt ihn künstlich zu takten, auf der anderen Seite ist die dadurch entstehende Unzuverlässigkeit auch manchmal nervig (z.B. wenn Leute in letzter Sekunde absagen, nie was zustande kommt usw.). Insgesamt nehme ich es aber als sehr befreiend wahr, denn in Deutschland hatte ich schon teilweise das Gefühl, dass meine Termine mich erdrückten und ich immer genau ausrechnen musste, wann ich wo hin gehen musste. Außerdem spüre ich selbst durch die Distanz den Druck/ die Erwartungshaltung aus Deutschland, dass ich irgendwie mein Leben in die Hand nehmen, etwas studieren/ machen, mir Pläne/ Ziele setzen sollte… In Ecuador kenne ich persönlich kaum jemanden, der sich so krass mit der Zukunft auseinandersetzt: Es kommt doch eh immer anders als gedacht. Also kann man auch einfach im Jetzt leben…

kulturelle Vielfalt

In Ecuador existieren (je nach dem wen man fragt, ich finde immer wieder andere Zahlen) bis zu 16 anerkannte verschiedene Nationalitäten/ indigene Kulturen mit eigenen Sprachen, Traditionen und Kultur. Deshalb sehe ich auch immer wieder Regenbogenflaggen (allerdings andere, als die Pride-Flag der LGBTQIA+ Bewegung), die für kulturelle Vielfalt und den Respekt für indigene Kulturen steht. All diese verschiedene Einflüsse machen Ecuador letztendlich aus, denn es gibt nicht DIE Ecuadorianer*innen. Ich habe relativ viel mit Kichwa zu tun (wobei man da auch noch mal zwischen den Kichwa der Anden und des Regenwaldes unterscheiden muss), aber es gibt auch die Shuar, Otavalo, Chachi, Huaorani usw.

Karte, auf der man die verschiedenen Indigenen Kulturen und Nationalitäten in Ecuador sehen kann. Ich wohne in der Provinz Napo (Nr.28)…

Bildquelle: https://www.gifex.com/fullsize/2011-11-11-14895/Mapa-etnogrfico-del-Ecuador.html (letzter Abruf: 16.3.2025 22:15 Uhr)
Kosewörter und Verniedlichungen

Kosewörter und Liebesbekundungen werden dir in Ecuador i.d.R. Deutlich schneller gegeben. Selbst beim ersten Date werden Menschen z.B. schon als „mi amor“, „mi corazon“ oder „mi vida“ (meine Liebe, mein Herz, mein Leben) bezeichnet. Irgendwie passt es zu der Gastfreundschaft der Menschen und der Sprache. Auf Deutsch/ In Deutschland wirkt vieles davon total übertrieben. Das gleiche mit Verniedlichungen: Sie funktionieren im Spanischen so gut und werden echt gern benutzt. Im Deutschen sind sie kaum aussprechbar/ total lächerlich. Ein Beispiel: „Pollito con arrozito para un dollarito.” wäre in etwa “Hähnchen mit Reischen für ein Dollarchen”… Aber auch Namen werden gern verniedlicht, z.B. Danielito, Pablito, Marita usw. Am Anfang wurde ich von ein paar Studenten statt Amanda Amandita genannt… Komischerweise hat das allerdings aufgehört (vllt. Weil sie mehr Respekt vor mir bekommen haben?). Aber selbst bei Arzt wurde ich z.B. von Krankenschwestern “pobrecita” oder “corazon” genannt (du Arme in verniedlicht (du Ärmchen?) / Herz…).

Musik

Egal ob im Bus oder auf der Straße: Immer wieder läuft Musik im Hintergrund. Mit der Zeit habe ich mich echt an den Vibe gewöhnt und kann mittlerweile auch romantischen Balladen, Reggaeton oder (der für mich immer etwas gleich klingenden) Kichwa Musik etwas abgewinnen. Die Musik ist einfach Teil des Lebensgefühls hier. Falls euch interessiert, welche Lieder mir so begegnen hört doch gern mal in die Playlist herein, an der ich gerade arbeite:

“Chicos del Barrio” – eine der Bands, die auf Kichwa singt… Kleiner Eindruck in die Musik 🙂
“Vagabundo borracho y loco” als Beispiel einer romantischen Ballade hier… Message des Textes (für alle, die nicht Spanisch verstehen): Sie hat mich verlassen und mein Herz schmerzt so sehr, dass ich nicht weiter weiß, als mich zu betrinken 😅
DER Song hier… Keine Ahnung warum, aber der läuft seit ich hier bin wirklich in jedem Radio, jedem Laden, überall. (Der eigentliche Song beginnt so nach ca. 1 min im Video)
eigene Spanische Wörter/ Redewendungen

Lateinamerikanisches Spanisch unterscheidet sich generell schon noch mal vom Spanisch, das in Spanien gesprochen wird und dann hat noch jedes Land seine eigenen Dialekte, Wörter und Redewendungen… In Ecuador liebe ich ja die Anreden „veci” (Art Verniedlichung von “vecino”, Nachbar) oder “mija”, aber es gibt noch unzählige andere. Meine liebster lokaler Ausruf ist “achachay”. Das sagt man vor allem, wenn man sich nass gemacht/ voll gespritzt hat und/ oder wenn einem kalt ist.

amig@1

Jede*r hier scheint einen unfassbar großen Bekanntenkreis zu haben (egal welches Problem du hast, Menschen kennen immer einen Bekannten eines Bekannten, der dir weiterhelfen könnte. Aber auch generell wirst du super schnell „amig@“, also Freund*in genannt…

Korruption

… ist leider ein ernst zu nehmendes Problem Ecuadors und zieht sich durch alle Ebenen von Institutionen.

fiestas

In Ecuador wird sehr gern gefeiert. Falls ihr mehr über die verschiedenen Feste wissen wollt, auf denen ich schon war, lest doch meinen Artikel darüber.

bunte Ohrringe

Ich mag es, wie viele Frauen typische Ohrringe von hier tragen. Beliebt sind bunte Muster/ Tiere aus kleinen Plastikperlen (vor allem Papageien), aber auch Schmuck mit Federn, aus Gold etc etc…

Die hier habe ich mir gekauft 🙂
Minga

Mingas sind so etwas wie Arbeitseinsätze, gleichzeitig sind sie eine Arbeits- und Gemeinschaftsphilosophie. Der Ansatz ist: alle helfen mit. Wenn im Dorf jemand ein neues Haus baut, dann wird eben eine Minga gemacht und alle helfen, mit dem Wissen, dass es dem Gemeinwohl dient bzw. Man auch Hilfe bekommt, wenn man sie braucht. Im Pakashka Sacha machen wir regelmäßig Mingas, um Arbeit am Grundstück zu erledigen, aber auch in der Grundschule gibt es z.B. monatlich eine Minga, bei der alle Eltern der Schüler*innen helfen den Schulhof zu reinigen etc etc.

Fazit

Das Leben in Ecuador ist manchmal verblüffend, manchmal faszinierend und mittlerweile Alltag für mich. Andere Dinge wiederum fühlen sich für mich seit Anfang an normal an. Die Grundlage einer Gesellschaft sind wohl überall gleich… Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben und habe nichts vergessen. Vielleicht mache ich irgendwann mal ein Update oder einen zweiten Teil. Falls ihr Fragen zu etwas habt, schreibt mir gern in die Kommentare 🙂

Bis bald!

  1. Das „@“ am Ende eines Substantives ist eine mögliche Form der genderneutralen Sprache im Spanischen. Normalerweise Enden viele Nomen auf o (männlich) oder a (weiblich). Z.B.: amigo (Freund) und amiga (Freundin). Das @ sieht ein bisschen so aus wie ein a in einem o, deshalb wird es als „beides“ genutzt… ↩︎

Fiestas

In Ecuador wird gern gefeiert, das sagen die Ecuadorianer*innen auch über sich selbst. Über Weihnachten und Silvester habe ich ja bereits berichtet, aber ich war auch schon bei ein paar anderen Feiern dabei. Hier erfahrt ihr mehr darüber.

Fiesta de Tena

Letztes Jahr im Herbst war für eine Woche Stadtfeier in Tena. Leider habe ich den Großteil der Veranstaltungen (Straßenumzüge, Messen, Konzerte, …) verpennt, aber immerhin am letzten Tag war ich beim Straßenumzug dabei. Dort sind all die verschiedenen Highschools der Stadt aufgetreten und haben Marschmusik (?) mit Tänzen gemacht. Hier ein kleiner Eindruck…

Karneval

Am ersten Märzwochenende und den Montag/ Dienstag danach war für vier Tage Karneval in Ecuador. Ich war einmal in Misahuali und am Montag noch in Pano dabei. Karneval in Ecuador (jedenfalls in der Amazonasregion) bedeutet vor allem: Es wird nass. Auf jeden Fall sollte man nicht seine beste Kleidung anziehen, denn neben Wasserpistolen und Wasserbomben kommt auch jede Menge Sprühschaum, Farbe und wenn du Pech hast auch mal ein Ei oder Mehl in den Einsatz. In Pano und Misahuali gab es zudem Live-Musik, Leute waren baden, überall wurde Essen verkauft und es wurde ordentlich geworfen/ gesprüht/ gespritzt/ eingeschmiert… Einen Einblick von meinem Karneval bekommt ihr in diesem kurzen Video:

Konzerte und Discos

Auch ohne festlichen Anlass kann immer gefeiert und getanzt werden 🙂 Z.B. auf öffentlichen Konzerten, die ab und an in Tena stattfinden oder in der Disco. Es schüchtert mich ein bisschen ein, wie viel und wie gut hier getanzt wird – sobald Musik da ist finden sich Pärchen die tanzen. In Discos wird Salsa, Bachata, Reggaeton etc. etc. noch einmal auf ein ganz anderes (und teilweise sehr sexuelles) Level gehoben. Ich bin echt beeindruckt, mit was für einem Selbstbewusstsein und Können viele Frauen (aber auch Männer) hier twerken…

Ich finde es voll schön, dass ich überall unterwegs Musik höre. Falls euch interessiert, was für Lieder mir hier so begegnen, könnt ihr gerne in meine Playlist reinhören. Ich arbeite gerade an einer Neuen (kein Anspruch auf Vollständigkeit :)) und bin ständig auf der Suche – ob bei anderen Freiwilligen/ Student*innen, im Bus, auf Feiern etc.

Auftritt einer Rockband in Tena
Konzert nach einer Messe mit lokalen Produkten
Konzert beim Karneval in Pano
Konzert bei Karneval in Misahuali
Jamsession in Tena

Fiesta de la Comunidad Puka Urku

Anfang Februar fanden in der Comunidad Puka Urku die Dorffeiern statt. Am interessantesten fand ich die “elecciones de la reina”, eine Art Misswahl, bei der allerdings traditionelle Kleidung in Tanz Choreografien vorgeführt wird. Zwischendurch traten auch offizielle Tanzgruppen und andere Interpreten aus Tena auf. Ansonsten gab es auch noch eine Hauptfeier, auf der viel getanzt und getrunken wurde und drei Uhr morgens eine “Guayusazeremonie”, die leider enttäuschend war, weil nicht wirklich irgendwas passiert ist, außer dass ein paar betrunkene Menschen von der Nacht davor darauf gewartet haben ihr kostenloses Frühstück zu bekommen… Aber immerhin konnten wir auf Nachfrage trotzdem Guayusa trinken und die Präsidentin des Dorfes hat eine Rede gehalten, auch wenn es nicht viel von einer Zeremonie hatte. Insgesamt wurde sehr viel Chicha (Getränk aus Yucca Wurzeln, in diesem Fall schon ein paar Tage alt und mit Alkoholanteil) getrunken und getanzt. Ich bin dankbar, noch mal diese ganz andere Erfahrung gemacht haben zu können. Teilweise habe ich mich etwas als Fremde gefühlt, auf der andern Seite war es sehr interessant. Ich merke wieder einmal, dass alle Menschen irgendwie die gleichen Dinge/ Gefühle verbinden, wie z.B. Musik, Tanz, Feiern etc etc, egal in welcher Form oder Art und Weise.

Zwischenaufführung
Erster Auftritt der potenziellen Königinnen
Tanzgruppe als Zwischenakt
Auftritt der ersten Kandidatin mit traditioneller Naturperlenkleidung
Hier mit Krone
Auftritt zweite Kandidatin
Auftritt dritte Kandidatin – dargestellt, wie sie Kakao erntet
Guayusa trinken seeehr früh morgens…
Live-Band bei Hauptfeier

Weihnachten/ Silvester

Puppen verbrennen, über Feuer hüpfen und „tanzende Witwen“: Einen kleinen Einblick von meinem Silvester in Ecuador könnt ihr in diesem Video sehen, den ganzen Artikel über Silvester/ Weihnachten findet ihr hier.

Fazit

Es ist auf jeden Fall immer wieder ein Erlebnis in Ecuador feiern zu gehen und manchmal wird es echt wild. Musik ist immer dabei, wie auf jeder guten Feier, das mag ich. Manche der Traditionen wirken für mich als Außenstehende willkürlich, haben aber ihre eigene Geschichte, wie z.b. die “tanzenden Witwen” zu Silvester. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf noch mehr Feiern dabei zu sein 🙂